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{Märchen der Welt} Eine Reise in die arabische Welt

   märchen der welt

Eine ganz besondere Märchenreihe gibt es in der Lese- und Schreibwerkstatt seit vielen Jahren. „Märchen der Welt“ haben wir sie getauft und die Idee die dahinter steht ist Folgende:

Wir laden zu diesen Märchen eine Muttersprachlerin oder einen Muttersprachler ein, der uns ein Märchen aus seinem Land mitbringt. Dieses lassen wir uns zweimal vorlesen: einmal in deutsch (damit wir es verstehen) und einmal in der Landessprache. Daneben wollen wir aber auch immer die Kultur kennen lernen, wollen Fragen stellen, Neugierig sein und etwas über das jeweilige Land und die Menschen dort erfahren.

Im Laufe der Jahre sind wir so beispielsweise schon nach Italien, Frankreich, Polen oder Spanien gereist. Fast immer kochen oder backen wir dann auch etwas passendes aus dem Land mit unseren Leseratten.

Dieses Mal sollten uns die Märchen der Welt ein Stück weiter weg entführen: nach Syrien und in die arabische Welt.

Auch an unseren Leseratten und uns selbst geht die aktuelle Thematik der Flüchtlingsströme nicht vorbei und deshalb dachten wir uns, dass es sehr wichtig ist, auch in unserer Schreibwerkstatt das Thema mit den Kindern aufzugreifen, ihnen die Gelegenheit geben zu können, auch einmal Fragen zu stellen und uns umgekehrt die Chance geben, ein wenig zu den Ursachen der Flüchtlingssituation zu erklären und auch mit den Kindern zu besprechen, was Flucht bedeutet, warum Menschen aus ihrem Land fliehen. Diese Fragen werden uns auch in den nächsten Monaten immer wieder beschäftigen, denn das Thema Flucht wird nun immer wieder einmal bei uns aufgegriffen werden und mit Geschichten und Literatur unterlegt werden. (Wer gute Literatur kennt, darf uns gerne Tipps geben)

Unterstützt wurden wir wie schon bei unserem gemeinsamen deutsch-syrischen Frühstück von Bernhard Mommenthal der einer der Gründer der Flüchtlingshilfe Nalbach ist. Die Flüchtlingshilfe Nalbach ist ein ganz wunderbarer Zusammenschluss von Menschen, die sich vor Ort für die Flüchtlinge einsetzen. Denn gerade nachdem die Menschen aus den Erstaufnahmeeinrichtungen auf die Gemeinden verteilt werden, wo sie dann wohnen sollen, ist Hilfe so wichtig damit die Menschen auch wirklich hier ankommen und wissen, an wen sie sich wenden können bei Fragen und all den Dingen die im Alltag auf sie warten. Hier gibt es in Nalbach ganz viele Menschen die Zeit einbringen um für die ankommenden Flüchtlinge da zu sein und das auf vielerlei Arten.

Doch zurück zu unseren Märchen der Welt: über die Flüchtlingshilfe hatten wir Kontakt zu Roula Kasem, einer Syrierin die schon länger in Deutschland lebt und dadurch auch schon sehr gut Deutsch spricht. Roula brachte uns nicht nur das Märchen von Laila und dem Tiger mit, sie hatte auch ihre Töchter Rojana und Sara dabei und zudem ein leckeres syrisches Gebäck. Doch auch weitere Gäste waren gekommen und so begrüßten wir neben Roula weitere syrische Frauen und Kinder in unserer Mitte.

märchen der welt

märchen der welt

Ganz ruhig wurde es in der Leseecke, als Roula mit ihrer Geschichte begann: zuerst auf deutsch und dann auf arabisch. Die Geschichte hat uns alle direkt an ein deutsches Märchen erinnert und das fanden wir total faszinierend: dass sich Märchen so weit ausbreiten und den gleichen Kern enthalten.

märchen der welt

märchen der welt

Roula hatte zudem ein Lied für uns mitgebracht, das von dem Märchen handelt. Sowohl die arabische Version des Märchens als auch das Lied haben wir hier für euch auch als Audiodatei zum Anhören.

Für uns war der fremdartige Gesang ganz faszinierend und hat uns sehr gut gefallen. Zusammen mit Roulas Gebäck sind wir tatsächlich ein wenig in die arabische Welt eingetaucht.

Nach dem Märchen haben wir damit begonnen, die Geschichte zu gliedern und zu jedem Abschnitt Bilder zu malen. Diese werden wir in den nächsten Wochen dann zu einem Bilderbuchkino zusammenfügen: dabei scannen wir alle Bilder in der richtigen Reihenfolge ein und werden sie hier für euch als pdf zum Download anbieten.

Märchen der Welt – Deutsche und arabische Textversion von Layla und der Tiger

Layla und der Tiger

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Nächste Woche werden wir dann noch einmal nach Syrien reisen, zumindest kulinarisch: denn dann werden wir gemeinsam mit einigen Flüchtlingsfamilien syrisch backen.

Liebe Grüße

Christine

Das Lied der Träumerin (von Tanya Stewner)

Das Lied der Träumerin
von Tanya Stewner
Fischer Fjb; Auflage: 1 (10. März 2011)
388 Seiten
ISBN: 978-3841421166
Ab 16 Jahre

Inhalt:
Angelia hat ihren Namen geändert und ihr altes Leben hinter sich gelassen. Sie will als Träumerin ihr Leben in London neu beginnen. Nur wer träumt lebt. Unter diesem Motto will sie als Musikerin Karriere machen. In London angekommen findet sie eine WG mit den zwei ungleichen Brüdern Josh und Jeremy. Mit und durch ihnen erlebt sie Erfolg und Enttäuschungen, Frust und Liebe.
Doch um wirklich ihren Traum als Träumerin zu leben muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen.

Eigene Meinung:
Ich empfehle das Buch für Jugendliche ab 16.
Die Depressionen, den Rausch nach Erfolg und Angelias Träume sind so geschrieben, als ob man direkt in ihrem Kopf wäre. Durch die ganzen Liedzitate werden ihre Lebenserfahrungen anschaulich beschrieben. Obwohl Angelia aus der Sicht einer Träumerin erzählt, werden viele ernste Themen behandelt, die sich viele junge Erwachsene stellen müssen, wenn sie auf eigenen Beinen stehen wollen.

Rezensiert von Marie Lipeck

All for love (von Jenny Robson)

All for love
von Jenny Robson
Peter Hammer Verlag 2007
167 Seiten
Gebundene Ausgabe 13,00 €
ISBN-13: 978-3-779-50152-7
ab 13 Jahre

Ein Buch um HIV, Zivilcourage und die Liebe zur Musik

HIV und Aids spielen in Afrika eine große Rolle. Trotz der Gefahr wird die Krankheit dennoch oft am Liebsten verschwiegen. Das muss auch Gaone erkennen, die in einer afrikanischen Kleinstadt lebt, unter deren idyllischer Oberfläche sich Abgründe auftun. Die Schülerin sieht sich mit einem grausamen Mord konfrontiert, der an der beliebten Lehrerin und Chorleiterin Miss Diko verübt worden ist. Die junge Lehrerin hatte sich kurz vor ihrem Tod in der Öffentlichkeit als HIV-Positiv geoutet und damit großen Mut bewiesen. Denn niemand möchte der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass der Virus längst auch unter ihnen ist und sich aus ihrer Mitte Opfer sucht. Für Gaone ist das Thema HIV besonders fesselnd. Alles möchte sie über die Krankheit wissen. Sie kennt Statistiken darüber, wie viele Menschen sich täglich neu infizieren, oder wie viele Menschen den Virus bereits in sich tragen. Ihre Besessenheit geht auf den Tod der Mutter zurück, die ebenfalls dem Virus zum Opfer gefallen ist. Nun wohnt das junge Mädchen zusammen mit ihrer jüngeren Schwester bei ihrer Tante. Doch auch in ihrem jetzigen Umkreis wird sie immer wieder mit der tückischen Krankheit konfrontiert.
Der Mord, die Sorge um ihre Schwester lassen ihre Gefühle in Aufruhr geraten. „All for Love“ ist eine spannend zu lesende Geschichte um Aids, Zivilcourage, aber auch Liebe und Musik.

„Damals, im Zweiten Weltkrieg, haben 6 Millionen Juden ihr Leben in den Konzentrationslagern verloren […] Aber hier in Afrika haben bis zum jetzigen Augenblick dreiundzwanzig Millionen Menschen ihr Leben durch Aids verloren“. Dieser Satz, den Gaone in einem Brief liest, umschreibt gut das Gefühl der Ohnmacht, mit der sich Afrika dem Virus gegenüber stehen sieht. Auch Gaone musste zusehen, wie der Virus ihre Mutter langsam getötet hat und auch nun wieder um sich greift. Durch ihre Figur erlebt der Leser die Tragik der HIV-Ausbreitung mit. Gaone hat viel zu sagen, sie kennt die Fakten und weiß, wie man sich vor Aids schützen kann. Dennoch muss sie hilflos zuschauen, wie sich um sie herum Menschen neu infizieren und die Stadt dennoch an ihrem Image festhält, Aidsfrei zu sein. Mit Miss Diko begegnen wir jedoch einem couragierten Menschen, der seinen Ruf und sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, um andere Menschen vor der Gefahr durch Aids zu warnen. Nicht der Virus, der auch sie befallen hat, nein, ihr Engagement und ihre Selbstlosigkeit werden zu ihrem Todesurteil. Gerade weil sie die Dinge beim Namen nennt, wird sie zum Schweigen gebracht.

Die Autorin erzählt die Geschichte nicht linear. Vielmehr springt Gaone in ihren Erzählungen zwischen den Zeiten hin und her. So erfahren wir nach und nach von Geschehnissen, die sich vor und nach der Ermordung von Miss Diko zugetragen haben. Der Mord steht dabei aber im Mittelpunkt. Um ihn ist die Erzählung aufgebaut. Doch erst nach und nach enthüllt sich dem Leser das Motiv und er beginnt die Teile zu einem Bild zusammenzusetzen und zu begreifen, wie es zu der Tat kam und wer sie begangen hat. Dieses Zusammenknüpfen der Handlung ist ebenso geschickt wie spannend und lässt einen das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Doch nicht nur die Erzählung wie es zu der Mordtat kam, auch die Angst Gaones vor AIDS und um ihre Schwester bilden einen wichtigen Erzählstrang. „All for Love“ gehört sicherlich nicht zu den Büchern, die man liest und wieder vergisst. Das Bild Gaones und ihrer Geschichte sind wunderbar lebendig erzählt und prägen sich dem Leser tief ein. Und viel wichtiger noch: Das Buch regt zum Nachdenken an. Auch wenn man es beendet hat, wird man sich noch einige Gedanken um AIDS, HIV aber auch um Zivilcourage machen.

Rezensiert von Christine Sinnwell-Backes