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{Literarische Modenshow} Die Prinzessin von heute trägt Tüte

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Vor einigen Wochen habe ich ein herrliches Bilderbuch entdeckt: Die Prinzessin in der Tüte heißt es. Illustriert hat es die wundervolle SaBine Büchner die auch schon unser Lieblingsmonster Schlinkepütz gezeichnet hat. Der Text stammt von Robert Munsch.

In dem Buch geht es um Prinzessin Lissy, die äußerst taff daher kommt. Als ein Drache ihr Schloss mit allem drum und dran abfackelt, fackelt auch sie nicht lange. Bekleidet mit einer Tüte (so ziemlich dem einzigen was übrig und anziehbar war) macht sie sich auf den Weg zum Drachen um Prinz Ronald zu befreien.

Lissy ist nicht nur mutig sondern auch schlau und so ist es für sie kein Problem den Drachen zu überlisten. Und einer Rettung von Prinz Ronald steht nichts im Weg. Doch dankbar ist dieser Prinz nicht. Stattdessen weist er Lissy auf ihr unangepasstest Aussehen hin.

Und was macht eine Prinzessin in einem solchen Fall? Na klar: sie lässt den oberflächlichen Kerl stehen.

Die Geschichte ist wunderbar und einfach soooo schön illustriert. Wir hatten in unserer Gruppe viel Freude und alle Kinder waren überrascht von dem Ende. Jeder hatte doch eher gedacht, dass Ronald dankbar wäre. Lissys Reaktion hat sie alle dann sehr zufrieden gestellt.

Doch wir wollten ja nicht nur der Geschichte lauschen. In unseren Gruppenstunden wollen wir ja jede Woche auch die Geschichten auf die unterschiedlichste Art und Weise lebendig werden lassen. Was haben wir schon alles gebastelt, gebacken, gespielt zu Geschichten.

Doch was wir heute vorhatten, war dann tatsächlich eine Premiere in der zehnjährigen Geschichte der Schreibwerkstatt. Inspiriert von dem Tütenkleide der Prinzessin hatte in den Kindern vorab nur gesagt, dass sie alle Tüten mitbringen sollten.

Und genau die kamen nun ins Spiel: denn wir würden eine Modenshow vorbereiten und jeder durfte sich aus Tüten ein Kostüm gestalten. Die Begeisterung war riesengroß und die Fantasie sprudelte bei allen über. Da wurde geschaut, welche Tüten ein besonders schönes Muster aufweisen, wie man alles zusammenkleben oder -tackern könnte.

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Die Kinder waren so kreativ und wir halfen überall wo es dann bei der Umsetzung ein wenig hackte. So hatte am Ende jeder ein einzigartiges Tütenkleid. Und um das besonders vorzuführen gingen wir zur Modenshow über.

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Moderiert von unseren äußerst wortgewandten Betreuerinnen Steffi und Katrin und natürlich mit Musik unterlegt, durfte jeder auf der Bühne einmal seine Kreation präsentieren und jeder erhielt einen kräftigen Applaus.

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Meine kleine Tochter war natürlich auch dabei und ich kann euch an dieser Stelle verraten, dass das Tütenkostüm nun in der Verkleidungskiste ist und auf gar keinen Fall weggeworfen werden darf. Sie ist unendlich stolz auf das Tütenkostüm und das Buch muss ich momentan sehr regelmäßig vorlesen.

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Viel Lesespaß wünscht euch

Christine

{Selbstgeschriebenes} Die Weihnachtsmaus

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Die Weihnachtsmaus hat uns nun so viele Wochen begleitet und ist mir mittlerweile so richtig ans Herz gewachsen. Wir haben Bilder bekommen, Audiodokumente und manches mehr. Und das ein oder andere werden wir euch auch noch in den nächsten Wochen nachtragen.

Auch ich habe mir die Zeit genommen und eine Geschichte über die kleine Maus geschrieben. Dazu hat mir Lisa Theobald ein wundervolles Bild gemalt. (Kleiner Tipp: sie gibt in Dillingen auch Kindermalkurse)

Und nun für euch:

Die Weihnachtsmaus

 

von Christine Sinnwell-Backes

 

Im hintersten Winkel des alten Dachbodens öffnete ein kleines Mäuslein verschlafen seine Augen. Ausgiebig gähnte es und streckte sich. Der Mond schien durch die Dachluke und beleuchtete Kisten, alte Truhen und abgedeckte Möbel.

Der Tag war unruhig gewesen und immer wieder hatte die Maus aufgeregtes Kinderlachen gehört. Gegen Nachmittag war sogar die Dachluke geöffnet worden und das arme Mäuslein hatte Todesängste in seinem kleinen Mauseloch ausgestanden. Doch der Vater, der hochgepoltert kam, hatte nur zielstrebig die Kiste mit den roten Kugeln gegriffen und war wieder genauso schnell verschwunden, wie er zuvor aufgetaucht war.

Irgendwann war Ruhe eingekehrt und die Maus wieder eingeschlafen. Doch nun, im Mondlicht, begann das Mäuslein aufgeregt zu schnuppern. Im Haus roch es seltsam. Ungewöhnlich… gut.

Schon in den vergangenen Tagen hatte es den ein oder anderen ungewöhnlichen Geruch wahrgenommen, der durch das Haus bis nach oben unters Dach gezogen war. Plätzchenduft lag in der Luft. Apfelsinen und Nüsse, Zimt aber auch Tannennadeln roch die Maus und automatisch begann ihr kleines Bäuchlein zu grummeln.

Weihnachtszeit! Das musste die Weihnachtszeit sein von der ihr ihre liebe Oma – der Mäusegott im Himmel habe sie selig – immer so beglückt erzählt hatte. Die beste Zeit im Mäusejahr! Das Mäuseparadies auf Erden! So hatte sie es dem kleinen Mäuslein Abend für Abend ins Ohr geflüstert.

Aufgeregt folgte die Maus nun den wundervollen Düften auf geheimen Mäusewegen hinter Wandvertäfelungen und unter Schränken hindurch bis in die gute Stube hinein. Da stand der Weihnachtsbaum in seinem grünen Kleid. Geschmückt mit Kerzen, Kugeln, Lametta und feinsten Süßigkeiten. Da hingen Plätzchen, Lebkuchenmännlein, Marzipan und Baiserkringel. Die Augen des kleinen Mäusleins wurden größer und größer und zögernd machte es ein paar vorsichtige Schritte auf den Tannenbaum zu als… mit einem leisen Quietschen die Tür nach innen aufschwang und sich auf leisen Sohlen ein kleines Mädchen dem Tannenbaum näherte.

Zögernd streckte es die Hand nach einem Baiserkringel aus und schaute sich noch einmal um bevor es den Kringel vom Baum nahm und ihn dann blitzeschnell in seinem Mund verschwinden ließ. Und bevor das angsterstarrte Mäuslein sich auch nur zur Flucht entscheiden konnte, war das Mädchen auch schon wieder verschwunden. Das Herz der Maus pochte schnell und wild und in seiner Angst war ihm der Appetit erst einmal vergangen. Auf schnellstem Wege schlich es sich zu seinem Loch zurück und verbrachte die restliche Nacht damit, über den herrlichen Tannenbaum und dessen leckeren Schmuck nachzudenken.

Am folgenden Morgen ertönte vorwurfsvolles Geschimpfe. Christian, der älteste Sohn des Hauses, rief erbost nach seiner kleinen Schwester: „Nelly, hast du etwa heimlich am Tannenbaum genascht? Ich weiß genau, dass ich gestern beim Schmücken an diese Stelle den großen Baiserkringel gehangen habe.“ Aufgeregt deutete er mit dem Finger auf ein leeres Tannenzweiglein. Das Mäuslein nickte befriedigt. Gleich würde der Diebstahl ans Licht kommen. Doch wie erstaunt war es über die Antwort, die Nelly ihrem großen Bruder gab: „Ich? Ich habe es nicht genommen. Das war bestimmt die Weihnachtsmaus, die in der letzten Nacht zu uns gekommen ist.“

Christian tippte sich an die Stirn. „Die Weihnachtsmaus? So ein Blödsinn. Das soll ich dir glauben?“ Nelly nickte eifrig und wurde ein wenig rot.

Verblüfft schaute die Maus das Mädchen aus ihrem Versteck unter dem alten Wohnzimmerschrank an. „Die Weihnachtsmaus?“ Hatte Nelly sie gestern Nacht doch bemerkt und schob die Schuld nun auf sie? Den ganzen Tag über grübelte sie darüber nach, ob Nelly sie gesehen hatte oder nicht und was noch viel wichtiger war: wie sie selbst an eine Leckerei von dem Baum kommen würde.

Kaum war der Mond aufgegangen und das Haus still geworden, unternahm die Maus einen zweiten Versuch. Sie schlich in die Stube und huschte zum Baum. Blitzschnell kletterte sie an einem Ast hoch, ihr Ziel – ein schokoladengefülltes Plätzchen fest im Visier als…

still und leise die Tür geöffnet wurde und Christian hereinschlich. Mit einem gezielten Griff pflückte er ein paar Marzipanfiguren vom Baum und verschwand so schnell wie er gekommen war. Das Mäuslein indes war vor Angst wieder erstarrt. Doch dieses Mal würde es nicht ohne Beute in sein Loch heimkehren und so machte es ein paar Schritte auf das Plätzchen zu als…

die Tür erneut geöffnet wurde und Ernst mit seinem Zwillingsbruder Hans ins Zimmer tapsten. Die Beiden grinsten sich verschwörerisch an und nahmen behände einige der Plätzchen – auch das schokoladengefüllte, das die kleine Maus so gerne gehabt hätte – ab und stopften sich die Plätzchen in Mund und Hosentaschen.

Erbost schaute die Maus den beiden Keksdieben zu und wagte sich nicht vor und zurück auf ihrem dünnen Ast. Endlich verschwanden die kleinen Diebe leise kichernd wieder und es wurde still im Haus. Schnell nahm sich die Maus das erstbeste Plätzchen das ihr auf dem Weg baumabwärts begegnete und trug ihre Beute zurück ins Mäuseloch.

Am nächsten Morgen herrschte große Aufregung in der guten Stube.  „Mein Marzipan ist weg!“ Der kleine Peter war den Tränen nahe. „Wer hat mein Marzipan geklaut?“ Christian feixte und meinte grinsend: „Frag doch die Weihnachtsmaus. Die wird es gewesen sein.“ Empört boxte Peter seinem Bruder in die Seite. „Das warst wahrscheinlich du gewesen.“ Wutentbrannt rannte er aus dem Zimmer und knallte die Tür. Papa schüttelte entnervt den Kopf. „Mir scheint, dass hier mehr als eine Weihnachtsmaus am Werk ist.“ Mama lachte: „Ich bin sicher, die Maus verschwindet wieder, sobald der Baum geleert ist.“

Die kleine Maus war fassungslos. Alle schienen ihr die Schuld zu geben. Dabei hatte sie nur ein kleines Plätzchen genommen. Und nun sollte sie als Sündenbock herhalten? Da begann ein Plan in ihr zu reifen.

In der nächsten Nacht war das Mäuslein eifrig am Werk. Heute Nacht würde sie zur Weihnachtsmaus werden. Wenn ihr eh jeder die Schuld in die Schuhe schob, dann konnte sie genauso gut auch tatsächlich zum Dieb werden.  Sobald es still im Haus geworden war, setzte das Mäuslein seinen Plan in die Tat um.  Dieses Mal würde ihm niemand in die Quere kommen, denn die Mutter hatte die Stube vorsorglich abgesperrt und den Schlüssel eingesteckt. Ein Plätzchen nach dem anderen, Marzipanfiguren, Baiserkringel und Lebkuchenmänner: nach und nach schleppte das Mäuslein alles Essbare vom Baum in seine Mäusestube. Wer konnte ihm schon sagen, ob die verfressene Bande bis morgen Abend noch ein Krümelchen für es übrig lassen würde? Gerade hatte es das letzte Plätzchen geschnappt, als…

sich die Tür leise öffnete und die Mutter ihren Kopf zur Tür hineinstreckte. „Das gibt es doch nicht! Wir haben ja tatsächlich eine Weihnachtsmaus bei uns zu Hause!“ Lächelnd beugte sie sich zu dem kleinen Mäuslein nach unten und nahm ihm das letzte Plätzchen vorsichtig aus den Pfoten. „Wie ich sehe, hast du die letzten Reste vor meinen Naschkatzen gerettet? Aber dieses eine Plätzchen das lässt du doch mir?“ Die Maus starrte sie mit großen Augen an. „Na, husch. Ab zurück ins Loch mit dir. Wenn alles weg ist, streiten sie sich auch nicht mehr darum. Und frohe Weihnachten! Aber lass dir eines gesagt sein: so nett bin ich nicht, wenn ich dich nach Weihnachten in meiner Küche oder meinem Vorratskeller entdecke.“

Schnell huschte das Mäuslein zurück auf den Dachboden und quetschte sich gegen die Keks-und Plätzchentürme, die sein Mäuseloch nun ausfüllten. Selig schaute es seine Schätze an und schmunzelte in sich hinein.

Ja, in dieser Nacht war die Weihnachtsmaus gekommen.

 

Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen. Falls ihr sie braucht, habe ich sie hier auch noch einmal zum Download:  Die Weihnachtsmaus.

Liebe Grüße

Christine