Archiv der Kategorie: Forschen und entdecken

{Im Wald} Geordnet und sortiert

Gruppenbild mit Frosch
Im Wald begegnen wir auch der ein oder anderen Märchenfigur

Sommerferien – das bedeutet zwei Dinge: es sind weniger Kinder da und die Schule ist geschlossen, also kommen wir manchmal nicht so einfach in die Räumlichkeiten. Außerdem ist es so schön warm. Da haben wir uns etwas ausgedacht: Statt in der Lese- und Schreibwerkstatt treffen wir uns im Wald!

Aufräumen mal anders

Im Wald eine Aufräumaktion zu veranstalten wäre auch mal eine Idee – da gibt es bestimmt einiges zu tun. Wir waren zum Glück in einem Teil des Waldes, der relativ müllfrei ist. Und trotzdem haben wir aufgeräumt.

Bücher: "Die Kunst aufzuräumen" und "Aufgeräumt!"
Zwei ausgezeichnete Bücher von Ursus Wehrli und Emily Gravett

Denn die Bücher „Aufgeräumt!“ und „Die Kunst aufzuräumen“ haben einen ganz anderen Blickwinkel aufs Aufräumen. Mehr dazu gleich…

…denn zuerst geht es auf Wanderschaft! Wir waren natürlich gut vorbereitet. Nicht nur, dass wir die Waldwege bereits kennen, wir haben außerdem an Picknickdecken, Trinken und Knabberei gedacht.

Im Wald gibt es viel zu entdecken. Zwei Kinder haben sich einen Spazierstock ausgesucht. Und immer, immer wieder wurden wir überall von Springkraut aufgehalten! Das ist, als ob man die Kinder durch einen Raum voller super Spielzeug zerren will, ohne dass sie sich ablenken lassen.

Zwischendurch: die Aussicht genießen

Nachdem wir uns eingerichtet und ein wenig aufgetankt haben, ging es mit der Geschichte los: In „Aufgeräumt!“ geht es um einen Dachs, der den Wald gerne sauber hätte.

Allerdings geht er mit seinen Ordnungsfimmel zu weit. Statt hier und da ein sauberzumachen und alles einigermaßen ordentlich zu halten, will er einfach alles zum Glänzen bringen. Den ganzen Wald. Und da hört er nicht auf – selbstverständlich geht das irgendwann schief.

Was für ein komischer Kauz, dieser Dachs. Darauf würde doch im echten Leben niemand kommen.

Oder?
Beweisstück A: Fotograf und Künstler Ursus Wehrli

Tannenzweig? Geordnet nach Bestandteilen!

Herr Wehrli ist dem ein oder anderem Kind aus der Sendung mit der Maus bekannt: Er nimmt alles Mögliche an ungeordneten Sachen und sortiert sie. Die Buchstabensuppe wird fein säuberlich alphabetisch geordnet. Das Bällebad? Nach Farbe der Bälle. Das Freibad? Nach Art der Gegenstände, Farben und Größen. Obstsalat, Sandkasten, moderne Kunst und Schriftzeichen, nichts ist vor ihm sicher.

Da gibt es nur eins, was wir anschließend machen können:

Den Wald sortieren

vorher nachher
Vorher – nachher

Oh ja, das haben wir wirklich gemacht: Wir haben uns eine Stelle im Wald ausgesucht… und alles schön geordnet.

Fertigsortiert:

Nach Art der Gegenstände und nach Größe haben wir genau geschaut, was wohin gehört und einen festen Platz bekommt. Gemeinsam haben wir einen kleinen Fleck im Wald einwandfrei „aufgeräumt“!

geordnete Äste…
grünzeug
… geordnetes Grünzeug…
sortierte Kinder
… und der Größe nach geordnete Kinder (und Hund).

Und dann mussten wir noch zurück nach Hause wandern… und alle 5 Meter für Springkraut anhalten.

Im Märchenwald

Einmal ist keinmal, deswegen wollten wir das Walderlebnis wiederholen. Brotkrumen mussten wir keinen folgen, aber trotzdem ging es dieses Mal märchenhaft in den Wald.

Wir haben sogar einen Waldweg gefunden, an dem weniger Springkraut wächst!

Bevor es an die Geschichte ging, haben wir die Gelegenheit genutzt, wieder etwas zu uns zu nehmen. Und dann haben wir uns darüber unterhalten, welche Bücher wir gelesen haben. Da waren ganz unterschiedliche dabei. Die drei ??? Kids – Räuberjagd und Ella, zum Beispiel, und ich selbst hatte die letzten Seiten von „Die Furcht der Weisen“ vor mir.

Und natürlich hatten wir ein Waldmärchen dabei: „Brüderchen und Schwesterchen“ ist wieder eins dieser Grimm-Märchen, die… grimmig sind. Im sonnenbeschienenen Wald ist die Geschichte besser vorzulesen als nach Sonnenuntergang.

Die darauffolgende Woche ging es wieder zurück in die Lese- und Schreibwerkstatt. Wir berichten!

Bis zum nächsten Mal!

Ret

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{Lesegenuß} Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

Dieses Mal haben wir es tatsächlich hinbekommen, 2 meiner Lieblingsthemen miteinander zu verküpfen: Essen und MINT.
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Das Buch

MINT steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das ist ein Themengebiet, das ziemlich wichtig für uns ist. Trotzdem sind die Möglichkeiten, es Kindern nahezulegen, nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Besonders enttäuschend finde ich, wie wenige MINT-Bilderbücher es auf Deutsch gibt und wie viele noch übersetzt werden können. Trotzdem gibt es viele sehr gute Bücher – und hier haben wir tatsächlich etwas zum Grusel-Thema Mathe: Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

Wie das Schachspiel erfunden wurde, darum ranken sich einige Legenden. Eine bekannte Version haben wir uns hier angesehen: Weil der Kaiser böse ist, müssen die Bauern ihren Reis abgeben und hungern. Da beschließt sich der Weise, dem Kaiser eine Lektion zu erteilen.

Als der Kaiser vom neu erfundenen Brettspiel des Weisen so begeistert war, dass er es ihm abkaufen wollte, bat der Weise um ein Reiskorn für das erste Feld. Zwei Reiskörner für das zweite Feld. 4 Reiskörner für das dritte Feld. Und immer so weiter, immer doppelt so viel für das nächste Feld. Der (nicht mathematisch begabte) Kaiser willigt ein. Was er nicht weiß: Durch die ständige Verdoppelung werden das solche Unmengen an Reis, dass der Kaiser alles verlieren würde.

Das haben wir für die ersten Felder auch selbst ausprobiert: 1 Reiskorn, dann auf das nächste Feld 2 abzählen und draufmachen, dann darf das nächste Kind Reis auf das Feld legen.

Für die Mathematiker unter uns: Hier geht es natürlich um Potenzen, mit der Basis 2.

Das 1. Feld erhält 20 Reiskörner = 1 Reiskorn.
Das 2. Feld erhält 21 Reiskörner = 2 Reiskörner.
Das 3. Feld erhält 22 Reiskörner = 4 Reiskörner.

Das 64. Feld erhält 263 Reiskörner = 9 223 372 036 854 775 807 Reiskörner.

Die Formel, um alles zusammenzurechnen lautet:
\sum\limits_{n=1}^{64} 2^{n-1} = 2^{64} - 1
Und das sind 9 Trillionen 223 Billiarden 372 Billionen 036 Milliarden 854 Millionen 775 Tausend 807.

Und wie viel ist das?

Nehmen wir an, dass ein Reiskorn 29 Milligramm wiegt (das ist noch relativ wenig und deswegen für diese Rechnung großzügig). Für das Verzeichnungsjahr 2017/2018 wurden 588,6 Millionen Tonnen weltweit produziert. Unser Schachbrett hat im Vergleich dazu 534 995,6 Millionen Tonnen, also knapp das Tausendfache.

Selbst wenn der Kaiser die Weltherrschaft in diesem Jahrhundert an sich reißt, müsste er fast 1000 Jahre sein ganzes Reis an den Weisen geben.

OK, aber das ist schon ganz schön viel Mathe. Wir haben einfach nur auf dem Taschenrechner verdoppelt und dann 63 mal auf die Ausgabetaste gedrückt. Die Zahl ist erst langsam, dann aber sehr schnell gestiegen.

Knetbälle aus Reis basteln

Nach der Geschichte haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich mit den Aufgaben abgewechselt haben. Während eine Gruppe in die Küche geht, bastelt die andere Gruppe.

Wie aus Milchreis und Luftballons Anti-Stress-Bälle werden, könnt ihr euch in unserem Video ansehen:

Die Bälle können etwas kniffelig sein, den Luftballon deswegen nach dem Schneiden aufdehnen kann also nicht schaden. Wenn man den Dreh erstmal raus hat, geht so ein Jonglierball ziemlich schnell.

Die Größeren sind natürlich schneller fertig und kennen schon die Schachregeln.

Reis kochen

Lesegenuß ist eine unserer Themenreihen. Hier geht es darum, passend zur Geschichte gemeinsam Essen vorzubereiten und zu schmausen!

Damit der Reis auch richtig lecker wird, brauchen wir ein oder zwei Zutaten:

Die Gruppe, die gerade in der Küche ist, hilft, den besten Reiseintopf in der Geschichte der Lese- und Schreibwerkstatt zu kochen. Gemüse waschen und schneiden. Gewürze hinzufügen. Ein wenig umrühren. Nach einiger Arbeit riecht es schon so gut…

Und es war richtig lecker! Schade, dass ich am Ende nur 5 Portionen geschafft habe. 😉

Überfressen und zufrieden melde ich mich nach einer kleinen Verdauungspause bald wieder!

Ret

{Koordiniertes Arbeiten} Unter der Erde

Straßenkarten, Atlanten, Globen und das Buch „Unter der Erde“ haben alle etwas gemeinsam: Wenn man genau hinschaut, sieht man überall Linien. Dieses Gitter wird Koordinatensystem genannt und es hilft uns, genau zu sagen, wo sich etwas auf einer Karte befindet.

Um in dieses kartographische Thema einzusteigen, haben wir uns zwei Bücher vorgenommen: Mit „Unter der Erde – Tief im Wasser“ im Moritz-Verlag konnten wir ins Erdreich abtauchen und entdecken, was unter uns so fleucht und kreucht. Jede Menge nützlicher Informationen. Das andere Buch, „Mission Labyrinth – Unter der Erde“ in Compact kids, führt uns durch eine abenteuerliche Entdeck-Reise voller Gänge und Details, damit wir unsere Mission erfüllen können. Ein vielschichtiges Wimmel-Erlebnis, das für verschiedene Altersstufen skalierbar ist.

Welche Welten wollen wir uns aussuchen? Welche Mission wollen wir erfüllen? Mit welchem Fahrzeug schaffen wir es ans Ziel?

Nachdem wir uns in seltsamen Welten mit verzweigten und verschlungenen Wegen bewegt haben, wollten wir uns selbst an die Kartenarbeit machen. Jeder sollte eine Welt erfinden, durch die Gänge führen, in der Aufgaben zu finden sind und in der sich unser Maskottchen Leni Leseratte versteckt. Passend zum Buch haben wir dazu eine Druckvorlage erstellt:


Download als PDF, 2 Versionen

Das praktische an der Vorlage ist: Wenn man eine Welt neben die andere legt, gehen die Straßen oder Gänge auf beiden Blättern weiter. Dadurch hat man am Ende ein ausgeklügeltes und miteinander verbundenes Großreich an wunderbaren Dingen (und in jeder Region versteckt sich Leni Leseratte). Gemeinsam können wir am Ende schauen, ob wir die Aufgaben lösen können und die Koordinaten nennen können, wo sich die verschiedenen Orte befinden.

Hier entsteht gerade eine Spinnenwelt!

Dann ging es an die Arbeit! So ein A3-Blatt zu befüllen dauert eine Weile, aber es lassen sich viele interessante Details einzeichnen. Jeder durfte seine eigene Welt einzeichnen und Orte und Eigenschaften darin verstecken.

Wie das alles aussieht, könnt ihr weiter unten sehen – aber ratet mal, wie viele Schokoladenwelten es gab?

Und wie versprochen: Am Ende fügt sich alles zu einem großen, gemeinsamen Bild zusammen.

(Mit einem Klick auf die Bilder kommt ihr auf eine Großansicht.)

Eine Tunnelwelt mit Schokoladendisko (A5), Schokostand (E5) und Schokobücherei (B5)
Für Mäuse ein Ponyhof (E5), Regenwurmreiten (C3), Blitzwald (D1) und Mäuseparty (E2)
Schwimmbad (D4), Hotel (D2), ein zweites Hotel (D5) und Stand (A5)
Eine Meerjungfrauen-Welt mit Chor (B4) und Bilderbücher-Bibliothek (F5)
Eine wilde Welt mit explodierendem Gemüsemixer (F4)
Eiswelt mit Eismonster (C5-D5), Eisdiele (C4), Eishersteller (B4), Regenbogenweg (E1-E5) und Eisgarten (F4)
Spinnenwelt mit Spinnenhöle (B5), Spinnenreiten (C5), Wasserspinnen (B2), auf Spinnennetzen schlafen + selber spinnen (E2), Wie Spinnen fliegen (D4) und Spinnencafé (E5). Keine Angst! Die Spinnen sind GANZ LIEB! Vorsicht! Die Spinnen können einen festhalten und umarmen.
Schokowelt mit Schokobücherei (D5), Schokoladenparty und Schokostand (beide E5),
Einhornwelt mit Corni Store (C5-D5) und Caficorn (E4-F3)
Mäusestadt (F3), Namenverkauf (F4), Café der Mäuse (B1), Hotel der bärtigen Fische (C1), Fischstadt (mit Ziegenfisch Peter) (E5), noch mehr Mäuse (A4), Einhornstadt (mit bärtigem Klaus) (C5), noch mehr Ziegenfische (D2), Hornverkauf (C3), Bartverkauf (B4) und noch mehr Einhörner (F6)
Unterwasserwelt mit Tauchschule (Eingang: C1)
Party (F5), Lebkuchenhaus (B4), Eisfabrik (B3) und Schokoladenfabrik (C4)
Regenwurmreiten (E4) und Schokoparty (D3)
Mäusehaus (C1), Drachenflugschule (D1), Mäuse- & Ratten-Tanzstudio (E1), Hexenhaus (E3) und Vampirhotel (F1)

Da haben wir alles auf eine Karte gesetzt 😉 und es hat funktioniert! Unsere Leseratten waren aber auch total fleißig.

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{Bienenwochen} – Vorlesen an ungewöhnlichen Orten

Vorbereitung

Wie wir mit unseren Bienenwochen angefangen haben, haben wir euch schon berichtet. Nachdem wir mit kreativem Schreiben fleißig gearbeitet haben, wollten wir uns auf die darauf folgende Woche vorbereiten, denn es kommt wieder zu der Reihe Vorlesen an ungewöhnlichen Orten. Dieses Mal geht es zum Imker – und auch hier hat die Saarbrücker Zeitung darüber berichtet.

Basteln

Zwei kreative Bastelideen haben wir in die Realität umgesetzt. Damit sind viele Gestaltungsmöglichkeiten offen und sie lassen sich sehr gut nachmachen. Zum einen ist eine kleine Bienendeko durch Bierdeckel möglich: In die Bierdeckel einen gelben Papierkreis kleben und bemalen, darunter einfach Flügel kleben.

Etwas länger dauert es bei diesen Bienen am Stiel: Dafür benötigt man ein ovales Stück Pappe, in das am Rand kleine Ritze geschnitten werden. Mit gelber und mit schwarzer Schnur kann eine Biene mit den wildesten Mustern ihr Haarkleid bekommen. Stiel, Kulleraugen, ein Paar großer Flügel, die wir aus alten Büchern recylcled haben, schon ist sie präsentierbar.

Dazu hat jeder noch einen Bienenstock ausgemalt (Vorlage), den wir für den nächsten Schritt gebraucht haben.

Bienen-Fakten

Jetzt, da wir jeder einen Bienenstock haben, gilt es, ihn fleißig zu befüllen… mit Bienen-Fakten! In unserer Bücherei haben wir einige Tierbücher, in denen auch das Leben der Bienen beschrieben wird. Da ist genug drin, um sich wissenswerte Informationen aufzuschreiben, mit denen man die anderen später befragen kann.

Hier ein paar dieser Fakten:

  • Wusstest du, dass Honigbienen miteinander sprechen können? Bienen reden durch einen ganz besonderen Tanz. Ist die Biene auf eine Nahrungsquelle aufmerksam geworden, macht sie einen Schwänzeltanz.
  • Honigbienen gibt es auf jedem Kontinent, außer in der Antarktis.
  • Bienen gab es schon zur Zeit der Dinosaurier.

Außerdem haben wir Samenbomben vorbereitet, mit der wir zu Hause einen Erdfleck verschönern können.

Beim Imker

Vorlesen

Die Geschichte, der wir gelauscht haben, ist ziemlich alt: 1850 wurde das Märchen die Bienenkönigin von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben. Und dieses Märchen passt zu diesem Tag wunderbar. Vorgelesen hat uns der Schulsieger beim Vorlesewettbewerb.

Dafür gab es am Ende natürlich Applaus.

Dass sich Geschwister oft nicht so toll verstehen, ist nicht nur im Märchen so, dafür ist es ja auch so verblüffend das ein ganzes Bienenvolk reibungslos zusammenarbeiten kann. Auch sonst ist in der Geschichte viel zu entdecken: Insekten sind sehr wertvolle und wichtige Tiere.

Ein Imker erzählt


Bienen von Piotr Socha ist ein wundervolles Sachbuch und es eignet sich wunderbar, um dem Thema heute nahezukommen. Natürlich schaffen wir nicht das ganze Buch, und das wäre ja auch etwas langweilig, aber ein paar Zufallsseiten, von den Händen unserer Leseratten ausgewählt, sind auf jeden Fall mit drin. Und Martin kann als Imker vor Ort noch viel Interessantes dazu erzählen.

  • Bienensterben und Bestäubung von Hand

    Martin: Das ist eine ganz tolle Seite, also eigentlich eine ganz schreckliche Seite, aber auch eine tolle Seite. Wenn wir über Bienen reden, meinen wir meistens die Honigbienen. Aber Bienen sind nicht nur für Honig da. Ihre größte Leistung ist die Bestäubung. Die Bienen fliegen zu den Blüten und sammeln dort den Nektar. In den Blüten ist nicht nur der Nektar zu finden, sondern auch Pollen, der sich an den Bienen festsetzt. Und Bienen fliegen nicht nur zu einer Blüte, sondern zu vielen Blüten. Wenn eine Bien auf einer zweiten Blüte landet, wird der Pollen dort abgestreift und das nennt man Bestäubung (weil Pollen wie Staub ist, wenn man ihn verreibt). Das ist deswegen wichtig, weil sich nur dadurch eine Frucht bildet. So können Äpfel, Kirschen, Himbeeren, Zucchini, Gurken, Tomaten, also ganz viele Früchte und Gemüse, die wir essen wollen, nur so entstehen.

    Das Bild zeigt, was passiert, wenn es die Bienen nicht mehr gibt. Dann müssen wir nämlich auf Leitern klettern und mit kleinen Pinselchen in die Bäume gehen und eine Blüte zur nächsten bestäuben. Und es gibt auf der Welt schon Regionen, zum Teil in China, wo Menschen von Hand Bestäuben müssen, weil wir Menschen dort nicht genug aufgepasst haben und so viele Sachen gemacht haben, dass Bienen da nicht mehr leben können. Und sie würden keine Früchte bekommen, wenn sie nicht selbst auf die Leitern steigen und von Hand daran arbeiten. Deswegen ist das eigentlich ein ganz wichtiges Bild, so schön es hier auch aussieht, eigentlich ist es ein Mahnmal für uns, das wir darauf achten müssten, ähnlich wie in dem Märchen nicht Dinge zu tun, die anderen Lebewesen schaden, wenn wir nicht genau wissen, welchen Nutzen wir von ihnen haben können.

    Christine: Woran könnte es den liegen, dass es weniger Bienen gibt?

    LSW: Weil es weniger Wiesen gibt, dann wächsen keine Blumen, also kein Futter für die Bienen. Wenn man „Unkraut“ beseitigt, werden auch Bienenblüten weniger.

    Christine: Das ist richtig, das was viele als Unkraut entfernen, ist eigentlich oft ein Bienenparadies, so eine Wildwiese ist eigentlich perfekt. Unsere Samenbomben, die wir letze Woche gemacht haben, die können da übrigens gut helfen, schaut mal, wie die schon aufgegangen sind:

    Am Ende darf sich jeder von euch noch eine unbewässerte Samenbombe mit nach Hause nehmen. [Und wer zu Hause welche machen will, kann die Anleitung sowie den Beobachtungsbogen dazu auf unserem Blog finden.] Welche Gründe kennt ihr noch?

    LSW: Manche Menschen spritzen Mittel in den Garten und auf ganzen Feldern, die für Bienen und andere Insekten gefährlich sind.

    Christine: Ja, Insektizide trifft leider nicht nur die Schädlinge, sondern auch ganz nützliche Tiere wie die Bienen, richtig. Was noch?

    Martin: Bei den Bienen gibt es auch Schädlinge, die den Bienen schaden. Einer ist ganz besonders gefährlich bei uns, das ist die Varroa-Milbe. Als Imker müssen wir uns darum kümmern. Da werden die Bienen von uns im Sommer behandeln, damit sie überleben, beziehungsweise, wir schauen, welche Völker können denn gut mit Milben umgehen und überleben sie und die lassen wir dann vermehren.

    LSW: Wie kommen denn die Milben in die Stöcke?

    Martin: Die Milben kommen ursprünglich von der asiatischen Honigbiene. Woher die zu uns kommt, ist noch nicht ganz klar, vermutet wird, dass sie zu Forschungszwecken in den 70ern nach Deutschland gekommen ist und da ausgebrochen ist. Die asiatische Honigbiene kann ganz gut mit der Milbe leben, aber unsere Honigbiene kennt sie noch nicht. Dann gibt es in der Natur ein Phänomen, das nennt man Evolution, da passen sich die Tiere an ihre Umgebung an. Und das ist bei unseren Bienen noch nicht passiert.

    Christine: Was ähnliches gab es damals auch, als die Europäer nach Amerika gekommen sind. Die Indianer haben viele Krankheiten nicht gekannt, die wir hatten. Masern, Röteln, Erkältungen. Und als die Europäer kamen, sind viele auch durch Krieg und so gestorben, aber das Meiste war durch die Krankheiten und ihr Immunsystem kannte die noch nicht. Das gibt es im Tierreich also ganz genauso.

  • Wieder sucht sich eine Leseratte eine Zufallsseite aus.

    Martin: Das ist ein Bild auf dem zwei unterscheidliche Sachen drauf sind, die aber doch irgendwie zusammengehören. Wir haben eben gehört, dass dadurch, dass viele Flächen überbaut werden, geht auch Lebensraum für Bienen verloren. Das hier sind beides Beispiele dafür, wie wir trotzdem den Bienen Lebensraum geben können. Das eine, das was man direkt sieht, das sind die Häuser und die Bienen auf dem Dach. Was könnte das denn heißen?

    LSW: Die imkern auf dem Dach?

    Martin: Ganz genau. Das ist bei uns [auf dem Land], wo wir wohnen, etwas ungewöhnlich. Auf unserem Haus würde ich jetzt keine Bienenstöcke draufstellen. Um das Haus haben wir ja noch viel Wiese für die Bienen und auch sonst Flächen für die Bienen. Aber wo gibt es denn wenig Flächen?

    LSW: In der Stadt.

    Martin: Genau. Das hier ist eigentlich ein Bild dafür, dass auch in der Stadt geimkert werden kann. Und auch in der Stadt finden die Bienen zu fressen. Da gibt es Bäume, Parks, Friedhöfe und Balkone. Und damit sie Lebensräume haben, haben sich die Menschen überlegt, wir stellen die Bienenkörbe auf das Dach.

    Und das hier unten, das geht in eine ähnliche Richtung. Nur können wir das auch hier bei uns machen. Das, was ihr da hinten seht, diese Hölzer, das wird gerade ein riesiges Bienenhotel. Meine Frau hat im Frühjahr die Hölzer aufgesetzt und ein Bekannter geht jede Woche ein-zwei Mal vorbei und bohrt dann ein oder zwei Stunden lang mit den Kindern hier Löcher rein. Wenn das Projekt fertig ist, gibt es da eine ganze Wand, in der die Bienen wohnen können – die Wildbienen, nicht die Honigbienen.

    Und das könnt ihr auch bei euch zu Hause machen und mit euren Eltern basteln. Man muss auch keinen Holzstamm dafür nehmen. Man kann auch Bambusstäbe nehmen, steckt die in eine Dose, da reicht eine ganz einfache Suppendose, und steckt die angeschnittenen Bambusröhren rein, hängt die an eine Wand oder in den Garten. Wichtig, es sollte nicht nass werden. Und es sollte Richtung Süden zeigen.
    Und dann werdet ihr sehen, so im Mai, sind da mit Sicherheit Insekten drin. Viel werdet ihr nicht sehen, aber welche besetzt sind sieht man schon.

  • Neue Zufallsseite.

    Martin: Über die Seite können wir… 2 Stunden reden.

    Da ist im Grunde genommen so ziemlich alles drauf, was man so als Imker normalerweise braucht. Die habe ich auch fast alle in echt.
    Wisst ihr was man mit dem Smoker macht?

    LSW: Damit macht man die Bienen ruhiger.

    Martin: Richtig. Das ist ganz schön verkohlt da drinnen und wenn man hier draufdrückt kommt da ganz schön viel Qualm raus. Da drin wird einfach Holz, oder ich benutze Rinde, verqualmt und dann kommt vorne Qualm raus. Und der Qualm macht die Bienen im ersten Moment gar nicht ruhiger, sondern der macht die ganz schön nervös. Qualm bedeutet für die nämlich, oh-oh, es könnte brennen. Wenn es bei uns im Haus brennt, rufen wir die Feuerwehr und laufen ganz schnell aus dem Haus raus und können noch ganz schnell mit den Händen etwas mitnehmen. Bienen können das nicht. Aber sie müssen etwas mitnehmen, vorrätig. Und sie transportieren die Vorräte in ihrem Bauch. Die haben nämlich einen Honigmagen. Das heißt, die saugen den Honig auf und transportieren ihn.

    Also, wenn sie den Qualm riechen, dann denken die, es könnte brennen und gehen mal zur Vorsicht Honig saugen, gehen also zu den Zellen und saugen den Honig. Und dann haben die einen ganz schön dicken Bauch.
    Und genausowenig, wie ihr euch prügeln wollt, wenn ihr gerade gegessen habt, genausowenig wollen die Bienen das, wenn sie den Bauch voll haben. Das heißt, sie werden ruhiger. Das ist der Smoker, das hilft uns, dann bekommen wir nämlich keinen Streit.

    Dann gibt es die Handschuhe. Die sind schnell erklärt. Die sollte man möglichst wenig benutzen, wenn man die anhat, hat man kein gutes Gefühl und dann zerdrückt man die Bienen. Manchmal ist es aber so, dass man die Bienen wegschieben muss und dann zeiht man die an, damit man nicht gestochen wird.

    Dann gibt es den Schleier, der ist wichtig. Das ist ja nur ein Teil von meinem Imkeranzug, aber das reicht, um es zu zeigen. Den kann man drüberziehen, dann kann man gucken, aber die Bienen kommen nicht durch. Am meisten nervös wird man, wenn die Bienen einem vor der Nase rumfliegen. Und wenn man selbst nervös wird, werden die Bienen auch nervös. Deswegen zieht man gerne mal einen Schleier an, dann weiß man nämlich, dass man nicht gestochen werden kann.

    Dann hat man ein Instrument, das sieht bei mir so aus. Das sieht unscheinbar aus, ist aber eins der wichtigsten Instrumente, da nennt man einen Stockmeißel. Mit dem bekommt man die Waben auseinander und bekommt die Kisten auseinander, in denen die Bienen wohnen. Die machen nämlich überall, wo sie wohnen, Wachs und Propulis hin. Das nennt man verkippen, die kleben alles aneinenader. Und wenn man ohne so ein Werkzeug da steht, bekommt man die Kisten nicht auseinander, so fest ist das verklebt.

    Dann hat der Imker im Buch einen Anzug an, den braucht man aber nicht unbedingt. Wenn man unsere Bienen halten will, kann man normalerweise auch ohne Anzug arbeiten, ist aber ganz gut wenn man einen hat, weil die Bienen manchmal nicht so gut gelaunt sind. Heute Morgen war ich an ein paar Bienen, vielleicht war das, weil es gestern ein wenig gewittrig war, die waren nicht so gut gelaunt, da ist man ganz froh, wenn man einen Anzug hat. Aber sonst kann man normal an denen arbeiten.

    Der Besen, auch ganz wichtig. Wofür ist der?

    LSW: Wenn an den Waben Bienen sind, kann man die damit frei machen.

    Martin: Ganz richtig, wenn man die Waben von den Bienen freimachen will, kann man die wegwischen. Oder, sie krabbeln ja auch, das sind ganz viele, so 20-, 30.000. Wenn man die dann ein bisschen bewegt und die Kisten hat, dann krabbeln die da rum und man möchte sie ja nicht zerdrücken. Und deswegen fegt man die aus dem Weg, das geht mit dem Besen sehr einfach.

    Und das ist die Bienenwabe. Eigentlich ist das nur das Wachs, das Wachs hat der Imker aber in einen Rahmen gemacht, damit er das bewegen kann. Dann können wir besser in die Völker reingucken und schauen, ob es ihnen gut geht. So eine Mittelwand baut der Imker in das Bienenvolk rein und die Bienen bauen daruas heraus ihr ganzes Wabenwerk. Die Mittelwand ist aus Bienenwachs und dann kommt da nach und nach der Honig rein.

    Ja, so eine gefüllte Wand kann ganz schön schwer sein.

    Und das Bienenwachs riecht auch ziemlich interessant.

  • Martin: Die Seite ist total spannend. Was seht ihr da?

    LSW: Einen Paris-Eifelturm.
    Ein Schneckenhaus.
    Eine Spinne.
    Bienenwaben.
    Augen.
    Eier.
    Ein Pulli.
    Eine Schlange.
    Ein Maiskolben.

    Martin: Was hat das denn alles miteinander zu tun?

    LSW: Bionik.

    Martin: Genau, was heißt denn Bionik?

    LSW: Biotechnik.

    Martin: Also Biologie und Technik, genau. Und was haben die beiden miteinander zu tun?

    LSW: Die Menschen machen das nach, was sie in der Natur finden.

    Martin: Ganz genau. Das sind alles Beispiele dafür, dass die Menschen sich an der Natur ein Beispiel genommen haben und daraus etwas technisches gebaut haben, denn die Natur ist ziemlich erfindungsreich. Sie hat sich für viele Probleme eine Lösung ausgedacht.

    Wisst ihr, warum bei den Bienen denn da die Wabe steht? Die Bienenwabe ist deswegen ganz faszinieren für die Menschen, weil man richtig wenig Material aufwenden muss, um ganz viel Material lagern zu können. Das habt ihr ja vorhin gemerkt, als die leere Mittelwand durchgegangen ist und dann noch die, die mit Honig gefüllt war. Und dafür brauchen die nur ganz wenig Wachs.

    Bei dem Auge, da ist das Beispiel eine Fotoblende. Man hat gelernt, wenn es dunkel wird, geht die Pupille auf. Dann fällt mehr Licht ins Auge rein, dann kann man mehr sehen. Wenn ihr tagsüber unterwegs seid und euren Freunden in die Augen seht, die haben ganz kleine Pupillen. Wenn es so hell ist, braucht man ja auch nicht so viel Licht, um zu sehen. In einem dunklen Raum werden die Pupillen richtig groß. Bei der Blende vom Fotoaparat ist es das Gleiche, jedenfalls bei den alten Kameras. Wenn es dunkel ist, muss man die Blende ganz weit aufdrehen, damit möglichst viel Licht auf den Fotofilm fällt.

    Das hier ist ein Schnitt durch einen Knochen. Der Knochen ist so ähnlich wie bei der Bienenwabe. In unseren Knochen wird permanent alles abgebaut, was wir nicht brauchen. D.h., der Knochen ist immer nur so schwer, wie er sein muss, um uns zu tragen. Solche Konstruktionen macht man sich auch zunutze. Das können Computerprogramme heute ganz gut berechnen, wenn man im Auto Bauteile hat und das ist den und den Belastungen ausgesetzt, dann braucht man bestimmte Bauteile von dem Auto vielleicht gar nicht. Das ist angelehnt an den Knochen.

    Der Roboter ist der Spinne nachempfunden. Der bewegt dann die Beine genauso wie die Spinne es macht. Das hat ja viele Anwendungsgebiete, aber das schwere ist einen stabilen Gang hinzubekommen, damit der Roboter nicht umkippt und auch auf unebenen Flächen gehen kann.

Die Bienen entdecken

Unsere wissbegierigen Leseratten löchern den armen Martin mit Fragen. Er bleibt aber cool und beantwortet uns alles Mögliche.

Besonders am Schaukasten kann er uns zeigen, wie die Bienen arbeiten und wie sie sich benehmen, woran man die Drohnen erkennt und warum sie so große Augen haben. Da ist ganz schön was los.
Damit die Bienen nicht so viel Angst bekommen, sind die Kinder immer nur in kleinen Gruppen hingegangen und konnten so viel Neues erfahren.

Auch im Rest des Gartens gab es viel zu entdecken. Neben dem Bienenhotel, in dem wir schauen konnte, ob da schon Löcher besetzt sind, gab es einen Sonnenwachsschmelzer, mit dem Bienenwachs wiederverwendbar gemacht werden kann.

Auch einen kleinen Teich gab viel zum Entdecken her. Darunter auch die Exuvie, die Larvenhülle, von Libellen, die man an den wassernahen Pflanzen sehen konnte und mit etwas Geschick auch abpflücken konnte, um sie in die Hand zu nehmen und den anderen zu zeigen.

Den Honig kosten

Zwischendrin gab es bei dem Wetter natürlich auch eine Trinkpause. Aber nicht nur zu trinken gab es, es gab auch Martins Honig zu kosten!

Dass der Honig gut angekommen ist, war klar. Wir haben das ganze Glas Honig und einiges an Brot verbraucht. Die Honigbrote mussten wir aber schnell essen, damit die Bienen nicht angelockt werden!

Bienenwissen beweisen

Jetzt, wo wir so viel über die Bienen gelernt haben, schauen wir mal, ob wir bei diesen Schätzfragen punkten können. An eine Leine haben wir passende Nummern gehängt, und wer sich für eine Antwort entscheidet, stellt sich zur entsprechenden Nummer.

Hier ein paar Beispiele (die Zahlen haben wir aus dem Buch Bienen):

  • Vor wie viel Millionen Jahren gab es die Bienen schon?
    A: Vor 100 Millionen Jahren.
  • Wie viele Flügelschläge macht eine Biene in einer Sekunde?
    A: 230
  • Wie viele Eier kann eine Bienenkönigin an einem Tag legen?
    A: 2.000 an einem Tag
  • Und die Bienenkönigin ist die einzige, die mehrere Jahre lebt. Wie viele Eier sind das in Millionen in ihrem ganzen Leben?
    A: 1
  • Vor wie vielen Jahren bauten die Ägypter schon Bienenstöcken?
    A: 4.000
  • Stellt euch ein Feld mit Rapsblüten vor. Wie viele Rapsblüten kann eine Biene in einer Minute bestäuben?
    A: 20
  • Bei einer Lebensleistung von 4-7 Bienen, wie viele Teelöffel kommen dabei raus?
    A: Ein einziger Teelöffel

Das war eine gelungene Vorlesestunde an einem ungewöhnlichen Ort! Martin kannte sich richtig gut aus und hat uns viel beigebracht.

Habt ihr schonmal an einem ungewöhnlichen Ort gelesen? Ich habe mal mein Buch auf einer Seilbahn aufgeschlagen – ich musste unbedingt wissen, wie es weiterging.

Ret

{Weihnachten mit allen Sinnen} Hören

Zur Weihnachtszeit planen wir oft außergewöhnliche Themenwochen. Dieses Jahr wollen wir Weihnachten mit allen Sinnen erleben. Letzte Woche hatten wir ja bereits die Sinne Sehen und Tasten und hatten die Blindenschrift kennengelernt. Diese Woche starten wir mit der 2. stellvertretenden Schulleiterin Sandra Czerwinski der Ruth-Schaumann-Schule (Blog) in Lebach, wo (unter anderem) Gehörlose und Schwerhörige Lesen, Schreiben, Rechnen und alles Andere lernen.

Inhalt:

Die Sterntaler – gebärdenunterstützt

Nachdem wir schon unsere ersten Fragen stellen durften (siehe das interview weiter unten), haben wir mit der Geschichte angefangen. Ein altes und bekanntes Märchen der Gebrüder Grimm: Die Sterntaler. Und die Erzählung wird doppelt interessant. Beweisstück A:

Das Kamishibai-Erzähltheater

Und dann haben wir das unglaubliche Glück, jemanden da zu haben, der sich genug mit der Gebärdensprache auskennt, um uns zu zeigen, wie es ohne gesprochene Worte aussehen kann.

Christine erzählt, Frau Czerwinski spricht mit Gebärden nach

Ach, aber stille Bilder verleihen dem Erlebnis leider nicht das nötige Gewicht… deswegen haben wir ein Video für euch!

Frau Czerwinski hat sich dazu bereit erklärt, vor der Kamera zu stehen und uns zu zeigen, wie die Geschichte in Gebärdensprache aussieht – allerdings nicht gedolmetscht, sondern „gebärdenunterstützt“. Zum einen ist die DGS (deutsche Gebärdensprache) noch wesentlich komplizierter (es ist ja auch eine eigenständige und offiziell anerkannte Sprache) und ein paar Kollegen beherrschen sie fließender und sicherer, zum anderen ist die gebärdenunterstützte Version für uns Gebärdenanalphabeten unmittelbarer nachzuvollziehen.

Sterne basteln

Passend zur Geschichte wird gebastelt! Die Sterne aus Pfeifenreinigern und Perlen sind einfach zu machen und lassen sich sehen. Ob nur einen Stern für den Weihnachtsbaum oder gleich genug, um die Decke zu bekleben, das bleibt jedem selbst überlassen.

Die goldenen Weihnachtssterne sind nicht schwer zu basteln

Schneidet euch 3 gleich lange Stücke Pfeifenreiniger ab und legt sie über Kreuz. Wickelt sie umeinander.


Anschließend werden an allennoch talerlosen Stern-Strahlen Perlen eingefädelt.

Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt:

Eine Weihnachtsstern-Spinne. Sehr selten.

Nachdem man genug Perlen hat, wird das Ende nach hinten gebogen, sodass keine abfallen können.


Man kann eine Schnur daran befestigen, um den Stern an den Baum zu hängen, oder man kann eine der Schlaufen benutzen.

Der liebe Nikolaus

Da kam noch eine Überraschung zu uns. Schwere Stiefel und ein voller Beutel, begleitet von zwei Federleichten Füßen im weißen Kleid.

Von drauß‘, vom Walde, kommt er her…

Viele unserer belesenen Bücherwürmer kannten sogar ein Gedicht auswendig und haben es für den Nikolaus aufgesagt. Zum Glück weiß er, dass alle Kinder hier auch ganz brav waren. Auch unsere Gäste aus Lebach, die hat er auch nicht vergessen – es war genug für jeden da.

In der Tüte vom Nikolaus verstecken sich kleine Naschereien, ein kleines Spielzeug… und was lugt da heraus?
Die Chocri-Schokolade! Speziell für die Kinder der Lese- und Schreibwerkstatt und für unsere Gäste gestaltet.

Und dann kam noch eine Überraschung auf uns zu! Unsere Gäste hatten uns etwas mitgebracht. Einen Kalender, den die Kinder der Ruth-Schaumann-Schule selbst gemalt. Der wurde dann professionell gedruckt.

Tolles Geschenk: Der Kalender der Ruth-Schaumann-Schule. Professionell produziert.

Vielen Dank, lieber Nikolaus! Und vielen Dank, liebe Ruth-Schaumann-Schule!

Interview mit Frau Czerwinski

Christine: Es gibt ja eine ganz besondere Sprache, wie man sich verständigen kann. Wer weiß denn, wie sie heißt?
Lese- und Schreibwerkstatt: Zeichensprache.
Frau Czerwinski: Ja, das sagen wir anders. Wir sagen jetzt Gebärdensprache dazu.
Christine: Wir werden jetzt eine Gebärde lernen, nämlich die für „guten Morgen“.
Fr. Czerwinski: Guten. Morgen. Das könnt ihr auch, ne?

Christine: Und so begrüßen wir uns heute auch mal. […]

Christine: Guten Morgen, liebe Samstagsgruppe. Ich habe ja schon erzählt, heute ist ganz besonders für uns, dass wir ein paar Gäste haben, die nicht wie wir auf der Grundschule vor Ort sind, stattdessen sogar ein ganzes Stück fahren müssen, um auf eine besondere Schule zu müssen. Woher kommt ihr denn? […] Saarbrücken. Das ist schon eine ganz schöne Strecke. Und bei dir? […] Aus Schwalbach.
Christine: Wir hatten letzte Woche die Leiterin der Blindenschule zu Gast, die hat uns dann erklärt, wie das überhaupt so ist, wie man lesen kann, wenn man nichts sieht und dann haben wir die Blindenschrift kennengelernt. Jetzt eben haben wir nochmal eine ganz besondere Form kennengelernt, wie man sich auch verständigen kann – wenn man zum Beispiel gar nichts hört. Wann ist denn die – und von wem – entwickelt worden?
Fr. Czerwinski: Das weiß ich gar nicht, ich glaube, das hat sich so an den ganzen Internaten und Schulen entwickelt. Deshalb gibt es auch nicht eine Gebärdensprache, die überall gesprochen wird, sondern es gibt ganz, ganz viele Dialekte und verschiedenen Sprachen. In jedem Land gibt es eigene Gebärdensprachen. Es gibt sowas wie eine internationale Gebärdensprache, die arbeitet viel mehr mit Mimik, zum Beispiel, also auch viel Pantomime dabei. Und wenn sich jemand aus China und jemand aus Deutschland sich trifft, dann können sie sich ja nicht unterhalten, weil der andere ja eine fremde Sprache spricht. Wenn die beiden gehörlos sind und können Gebärden, dann können die relativ einfach miteinander sprechen. Das ist wie wenn jemand aus Norddeutschland und jemand aus Süddeutschland kommt, die sprechen ja auch nicht unbedingt genau die gleiche Sprache, aber die können sich trotzdem verständigen. Und so ist es auch mit den Gebärdendialekten auch. […] Vor allem die Wochentage und die Farben sind von Region zu Region komplett verschieden. Also, Sonntag ist fast überall „beten“. Und Samstag ist fast überall „waschen“, da war früher immer Waschtag. Aber alles andere wurde dann von den Schulen entwickelt. Da gab es zum Beispiel „stricken“ am Dienstag oder so, also die Gebärde zum Stricken. Und so gibt es auch in Lebach spezielle Wochentag-Gebärden.

Christine: Wie ist es denn da so in der Schule? […] Wie sind denn die Klassengrößen? Sind da auch so 25, 30 Kinder in der Klasse?
Fr. Czerwinski: Wie viel sind es denn bei euch in der Klasse? […] [Hier sind es] 9. Bei mir in der Klasse sind’s 11. Wir haben aber auch Klassen mit 7 Kindern. In der ersten Klasse sind jetzt gerade zwei Klassen mit je 7 Kindern.

Christine: Und wie viele Schuljahre gibt es bei euch? Also, auch einfach nur die ersten vier Grundschuljahre?
Fr. Czerwinski: Also, es gibt fünf Grundschuljahre, aber das ist in der Regelschule mittlerweile auch so, dass man praktisch die ersten 2 Schuljahre in 3 Jahren machen kann, das ist bei uns auch so, bei uns wird das meistens gelöst, dass die Kinder 5 Jahre haben. Früher hatten wir noch einen Schulkindergarten, der wurde abgeschafft, aber dafür haben wir jetzt 5 Grundschuljahre und dann geht es bis zur 10. Klasse bei uns. Und wenn man dann weitermachen möchte, dann muss man leider das Bundesland wechseln. Also, wenn man weiter in eine Gehörlosenschule gehen möchte, gibt es zum Beispiel in Frankenthal eine Schule oder in Trier, wo es noch weitergeht. Und da [geht es] bis zum Abitur. Bei uns kann man leider kein Abitur machen, weil das Saarland […] so klein [ist], wir haben ungefähr 120 Schüler.
[…]

Fr. Czerwinski: In meiner Schule, da kümmern wir uns auch schon um Kinder im Kindergarten. Ich fahre zum Beispiel Dienstag immer in die Kindergärten und fahre dort zu Kindern, die Hörgeräte tragen. Oder die ein CI (Cochlea-Implantat, A. d. R.) haben, das ist eine andere Art Hörgerät, oder die sonst irgendwie Probleme mit dem Hören haben. Wir betreuen die Kinder da. Und wir fahren auch in ganz viele Grundschulen und Regelschulen. […] Die meisten Schüler sind gar nicht bei uns an der Schule, sondern in ganz vielen anderen Schulen. Vorhin hat jemand erzählt… du hast erzählt, dass da jemand auch an die Schule kommt, ne? Kommt da auch jemand aus der Schule, ja? […] Wir betreuen also auch Kinder in den Regelschulen und fahren da regelmäßig hin, falls es da Fragen gibt, oder erklären die Technik. Hat das Kind da auch so eine Höranlage? […] Genau. Und da zeigen wir, wie das funktioniert. Wir haben auch so Höranlagen. Das heißt, die Kinder tragen dann so eine Hörhilfe, da gibt es so ganz verschiedene, und wenn dann der Lehrer so ein Kästchen um den Hals hat, dann wird die Stimme des Lehrers direkt ans Hörgerät gesendet. Dann können die Kinder auch besser hören, wenn sich der Lehrer wegdreht oder wenn viel Lärm ist. […] Und wenn man dann vom Wochenende erzählt, das macht ihr in der Schule bestimmt auch in der Grundschule oft noch, dann kann man diese FM-Anlage auch rumgeben. Dann kann jeder da reinsprechen und dann hört das Kind auch denjenigen, der reinspricht. […] Sonst, wenn jetzt der Lehrer hier was erzählt und dann ruft er jemanden auf, dann ist das für ein Kind, das Probleme mit dem Hören hat, oft ganz schwierig, den weiter hinten zu verstehen und dann geben wir immer die FM-Anlage rum. […] Und Störlärm ist für alle Kinder mit Hörproblematik das größte Problem. Auch Kinder, die keine Hörgeräte tragen. Es gibt ja auch Kinder wie ihr beiden, ihr habt ja beide keine Hörgeräte, aber ihr habt ja auch diese Roger, diese Hörgeräte im Unterricht. […]
Christine: Hier an der Schule haben wir ja ein ganzes Klassenzimmer extra ausgestattet bekommen. Da sind so spezielle Schutzelemente gekommen und so.
Fr. Czerwinski: Wir haben auch Teppichboden bei uns überall in der Klasse, wir haben alle Hausschuhe an, auch die Lehrer. […] Das macht das ganze aber auch ganz gemütlich. Und wiel wir nicht so viele Kinder sind, in der Klassen, ist es dann sehr gemütlich.

Christine: Und habt ihr denn auch ganz normal, ich sag mal bis um halb eins, ein Uhr Unterricht? Oder… bei der Blindenschule haben wir zum Beispiel gelernt, dass die Kinder bis so 3, 4 Uhr in der Schule sind, wie ist es bei euch?
Fr. Czerwinski: [Bis 3.] Außer freitags, da haben wir nur bis 1. Aber wir machen dann auch die Hausaufgaben in der Schule, wir essen in der Schule, dann sind meistens auch AGs und Spiele und Zeit zum draußen Rumrennen, Wald-AG z. B.

Christine: Wie ist das dann von den Klassen gemischt? Hat man Klassen wo wirklich komplett Kinder ohne Gehör speziell sitzen?
Fr. Czerwinski: Die sind gemischt. Vom Alter her, vom Leistungsstand und es gibt da Kinder, die unterschiedlichste Grade der Hörsschädigung haben. Das heißt, es gibt Klassen, da brauche ich die Gebärdensprache eigentlich gar nicht, weil da alle noch relativ gut hören, wir unterstützen trotzdem mit Gebärden, weil das für die Kinder immer etwas einfacher ist, wenn man das mit Gebärden unterstützt. Und wir haben auch Kinder, die ganz dringend Gebärden brauchen, die zwar mit Hörgeräten oder mit CIs versorgt sind, aber das reicht einfach nicht. Die lernen bei uns dann auch die Gebärdensprache.

LSW: Also ist es seltener, dass die Kinder gar nicht hören können?
Fr. Czerwinski: Sehr selten. Heutzutage haben wir sehr gute Technik, die Hörgeräte haben sich unglaublich verbessert in den letzten Jahren, auch die CIs. Und wenn ein Kind früh entdeckt wird und frü versorgt wird, ein förderndes Elternhaus gibt, dann sind die Kinder auch in der Regelschule, da läuft das eigentlich auch. Aber wir haben jetzt ganz viele Flüchtlingskinder, die jetzt mit 5 Jahren kommen und überhaupt noch nie ein Hörgerät hatten oder auch komplett taub sind und noch nie irgend eine Sprache hatten, da brauchen wir extrem viele Gebärden. Das ist jetzt in den letzten Jahren sehr auf uns zugekommen. Also, viele Kinder aus Syrien, aus Jordanien, aus dem Iran, die jetzt zu uns kommen und die gar nicht hören können. Ein Kind, das ist 6 Jahre alt und das ist überhaupt nicht versogt worden mit Hörgeräten. Das fängt jetzt an, langsam ein bisschen Gebärdensprache aufzubauen. Das ist schwierig. Wir haben auch Kleine, die jetzt mit Hörgeräten versorgt sind, wo es dann schneller läuft. Wir haben auch Kinder, da kann man nicht implantieren, wenn der Hörnerv auch nicht intakt ist […] oder auch, wenn man sehr, sehr spät implantiert. […] Aber wenn man jetzt schon gehört hat und durch einen Unfall nicht mehr hören kann oder durch eine Krankheit – Also, viele Kinder haben früher durch Meningitis oder durch Röteln oder durch Masern, Mumps, diese ganzen Kinderkrankheiten, gegen die man jetzt gut impfen kann – als man das noch nicht konnte, haben viele Kinder deswegen eine Hörschädigung bekommen, die waren dann ganz taub. Das ist ja heute nicht mehr oft der Fall, weil die meisten Kinder geimpft werden. Aber wenn man schonmal gehört hat und dann ein Implantat bekommt, dann ist es auch viel einfacher, wieder hören zu lernen. Aber wenn man nie gehört hat, über Jahre, dann ist es mühsamer.

LSW: Es gibt doch bestimmt einen ziemlich großen Unterschied zwischen den verschiedenen Ländern und den Gebärdensprachen. Gibt es da eine Gebärdensprache, die der deutschen noch am nächsten ist und die man hier verstehen kann?
Fr. Czerwinski: Also, Gebärdensprache an sich kann man eigentlich in allen Ländern gut verstehen, wenn man sie gut kann. Ich habe eine Freundin, die war in Amerika, an der Gallaudet University, das ist eine Universität nur für Gehörlose, da sprechen alle Gebärden, da ist man total der Außenseiter, wenn man nicht Gebärden kann. Meine Freundin war dort und hat dort ASL, also American Sign Language, gelernt, spricht auch super gut, aber die wollte Dolmetscherin werden, hier in Deutschland, und musste sich viel umstellen, weil es doch eine andere Sprache ist.
LSW: Heißt das, man kann das in den amerikanischen Medien auch gut verstehen, also in Planet of the Apes ist ja gerade viel drin.
Fr. Czerwinski: Wenn man es gut kann, dann ja. Das kann man schon verstehen. Aber meine Gebärdenkenntnisse sind da leider auch nicht so gut. Ich habe damals im Studium leider keine Gebärden gelernt, da galt es noch: Das verträgt sich nicht, entweder kann ein Kind reden lernen oder Gebärden. Und wenn ein Kind noch gehört hat, dann sagte man, das muss sprechen lernen und Gebärden soll es nicht. Das ist in der Geschichte der Gehörlosendidaktik ein ganz schwarzes Thema, ist auch heute noch umstritten, viele sagen heute noch Gebärden sind nicht gut, aber mittlerweile ist die Gebärdensprache als vollständige Sprache anerkannt. Und es ist eine eigene Sprache mit eigener Grammatik. Ich kann mal ein Beispiel machen. Es gibt auch zei Unterschiede, es gibt LGB, das sind lautsprachenbegleitende Gebärden. Da mache ich zu jedem Wort, das ich spreche eine Gebärde. Also z. B. „das“, das ist das „S“ von den Buchstabenzeichen.

Fr. Czerwinski: „Das“, „Motorrad“, kennt ihr ja, nyemm-nyemm-nyemm.

Fr. Czerwinski: „Fährt“. [Flache, vertikale Hand von rechts nach links] „Den“, das ist das „N“, das ist für Gehörlose ganz schwierig zu unterscheiden, „den“ und „dem“ zu unterscheiden, das macht ihr wahrscheinlich oft auch noch falsch.

Fr. Czerwinski: „Berg hinauf“ [Bogenbewegung nach oben] Also habe ich jetzt zu jedem Wort eine Gebärde gemacht. Wenn ich jetzt Gebärdensprache mache, mache ich [zwei kurze Bewegungen, einmal „Motorrad“ und einmal die „Fährt“-Bewegung nach oben], ja, also mache ich so mein Motorrad [Flache, vertikale Hand] und so wäre mein Auto [Flache, horizontale Hand] […] Da sage ich also in zwei Gebärden den ganzen Satz. 🙂 Das ist viel ökonomischer. Und manchmal auch viel deutlicher, weil man dann auch mit Mimik oder Geschwindigkeit arbeitet. […] Da kann man also ganz viel mit Gebärden machen. Und ihr seht, da braucht man ganz viel den Oberkörper dazu und muss viel mit dem Gesicht und mit den Augen machen, und das kann man dann international ganz gut verstehen. Also, wenn ich so mache: 😦 Das könnt ihr in jeder Sprache gut verstehen. […] Also, die Körpersprache, die ihr alle verwendet, die hilft dann da unglaublich. Ihr merkt das vielleicht auch, wenn man in einer Fremdsprache spricht, wenn man telefoniert, auf Französisch, ist das furchtbar schwierig, wenn man dann aber jemanden trifft, der Französisch spricht, kann man da ganz viel mit Mimik und so machen, dann ist das viel leichter für uns zu sprechen und zu verstehen. Deshalb ist es für unsere Schüler extrem wichtig, ein gutes Mundbild zu haben, das Gesicht zu sehen. […] Wenn man Haare davor hat, ist es nicht so gut, wenn man Kuagummi kaut ist das Verstehen nicht so gut. Und Licht ist ganz wichtig, dass man gut ausgeleuchtet ist. Dann macht man für alle das Verstehen leichter. Das ist ja das schöne, was für unsere Kinder gut ist, ist für alle Kinder und alle Beteiligten gut. In meinem Alter hat man auch schon ein bisschen Probleme, nicht mehr gut zu hören. 🙂 Das fängt ja in meinem Alter schon ganz gut an. Und das wird uns wahrscheinlich allen mal so gehen, wie wir alle gern Musik hören, dauernd irgendwelche Kophörer in den Ohren haben, vor allem so die Teenager, sind ja mit dem Handy fast verwachsen. Und das führt später dann auch zu Hörschäden, leider, mit dem Alter. Ich habe in meiner Jugend viel Walkman genhört. Das ist nicht so gesund. 😀 […]

LSW: Ich find ja super, dass die Kids das Abitur machen können, aber wie geht’s dann weiter?
Fr. Czerwinski: Es gibt Gehörlose, die an der Uni studieren. Die haben dann zum Beispiel einen eigenen Dolmetscher, oder zwei Dolmetscher sind es dann meistens. Das muss man nur wahnsinnig durchkämpfen, dass man das bezahlt bekommt. Es gibt auch Schriftdolmetscher, das heißt, die Tippen direkt, wenn was gesprochen wird, tippen die das direkt in den PC. Und dann haben die ihr eigenes Tablet dabei und dann lesen die direkt mit, was geschrieben wird. Das haben wir z. B. bei Lehrerkonferenzen auch. Wir haben auch gehörlose Lehrer bei uns in der Schule, und Schwerhörige, und wir haben bei Konferenzen immer Schriftdolmetscher da. Die schreiben dann alles mit, das ist nicht immer ganz richtig, weil das so schnell gehen muss, die haben dann immer so Kürzel, die sie tippen, z. B. für Förderschullehrer machen die nur „FS“ und dann kommt „Förderschullehrer“ gleich getippt. Die haben also eine Art Steno am Computer. Und damit arbeiten wir dann auch. […]
Christine: […] Ich glaube, mit der heutigen Technik ist es heute vielleicht auch einfach, weil die Uni auch wesentlich medialer geworden ist. Die ganze Vorlesung gibt es danach, sage ich mal, zum Herunterladen. […]
Fr. Czerwinski: Was halt schwierig ist, ist wenn man wirklich auf Gebärdensprache angewiesen ist. Man braucht ja für jedes Wort eigentlich eine Gebärde. Aber es reicht ja nicht, wenn man im Phyikunterricht […] sagt „Katalysator“, dann wissen die Kinder trotzdem nicht, was ein Katalysator ist, nur weil ich die Gebärde mache. Trotzdem muss ich diese Gebärde mit Inhalt füllen. […] Es reicht nicht, wenn ich alles einfach nur gebärde. […]

Christine: Gibt’s bei euch denn die normalen Fächer? Oder habt ihr auch irgendein besonderes Fach? Zum Beispiel frage ich mich: Geht Musik, wenn Kinder taub sind?
Fr. Czerwinski: Wir machen einfach ganz laut Musik, mit Trommeln und so. Geht Prima. 🙂 […] Und wir haben das Fach Gehörlosenkunde, also Gebärdensprache. Einmal die Woche macht der Herr Ridder bei uns Gebärdenunterricht. Der ließt dann auch […] Bilderbücher in Gebärden, z. B.
LSW: Haben wir hier ein Buch, in dem alle Gebärden drin sind?
Christine: Nein, aber vielleicht sollten wir uns so eins mal besorgen.
Ret: Wir haben genau ein Buch, das heißt Henriette Bimmelbahn [Planet Willi (a. d. R.)], da sind ein paar Gebärden drin.

LSW: Was heißt denn „ich liebe dich“?
Fr. Czerwinski: Da gibt’s verschiedene… also, es gibt ein Zeichen – das ist das „i“, das ist das „L“ und das ist das „Y“. D. h., wenn man so macht, dann heißt das „I love you“, also auf Englisch. […]

LSW: Gibt es auch Schimpfwörter auf Gebärden?
Fr. Czerwinski: Die weiß ich natürlich nicht. 😉

LSW: Wie machen die Sport?
Fr. Czerwinski: Ganz normal. Sport kann jeder machen. Also, nur beim Schwimmen wird es manchmal schwierig, mit dem Hörgerät, die die anhaben, dann ist es einfach ein bisschen schwierig, da muss man vorher erklären. […] Und dann erst die Hörgeräte ausziehen. […] Aber es gibt mittlerweile CIs, mit denen man unter Wasser hören kann. […] Ja, dann hören die besser als du.

Fr. Czerwinski: Ich kann euch noch etwas Lustiges zu der FM-Anlage erzählen. […] Wenn man als Lehrer vergisst, sie auszumachen, in der Pause, dann können nämlich die Kinder mit Hörgeräten die Lehrer belauschen. Mir ist es mal passiert, ich hatte die auf der Toilette angelassen. 😅

LSW: Wenn das FM-Geräte sind, kann man damit Radios stören?
Fr. Czerwinski: Das sind bestimmte Frequenzen. […] Ist mittlerweile auch nicht mehr FM, das ist der falsche Begriff, mittlerweile. Das wird nicht mehr über Radio übertragen, sondern über… [Bluetooth, meistens].

500 € für die Ruth-Schaumann-Schule

Bücher helfen! ist ein ganz besonderes Projekt für uns, denn mit unserem großen Bücherflohmarkt können wir einiges an Geld einer wohltätigen Organisation im Saarland spenden. Letzte Woche haben wir einen Check schon ausgestellt. Und diese Woche gibt es 500 € für die staatliche Förderschule mit überregionalem Förderzentrum Hören und Kommunikation.

Ein Check von 500 € für die Ruth-Schaumann-Schule.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Czerwinski – und an ihren Schülern, die für uns ihre Zeit aufgeopfert haben, um uns zu zeigen und zu beschreiben, wie in Deutschland eine vollkommen andere Sprache täglich benutzt wird und welche anderen Möglichkeiten es gibt, eigentlich allen Menschen das Leben leichter zu machen, wenn man

Zum Abschluss unserer sinn-vollen und sinnes-reichen Weihnachtswochen bleiben nur noch zwei Sinne übrig – und die werden wir voll ausnutzen.

Tolle, lege; Tolle, lege!

Ret

{Weihnachten mit allen Sinnen} Sehen & Tasten

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Zur Weihnachtszeit planen wir oft außergewöhnliche Themenwochen. Dieses Jahr wollen wir Weihnachten mit allen Sinnen erleben. Diese Woche starten wir mit der Schulleiterin Claudia Theobald der Louis-Braille-Schule in Lebach, wo (unter anderem) Blinde Lesen, Schreiben, Rechnen und alles Andere lernen.
In der folgenden Woche geht es um den Hörsinn – und wie man die Gebärdensprache spricht.

Wir unterstützen die Louis-Braille-Schule mit 500 €.

Inhalt:

Das schwarze Buch der Farben

Das schwarze Buch der Farben – lesen und fühlen.

Unsere außergewöhnliche Stunde startet mit einem außergewöhnlichem Buch. Das schwarze Buch der Farben ist… schwarz. Ein bisschen weißen Text gibt es, aber sonst ist das Buch völlig schwarz. Denn es gibt Menschen auf der Welt, die nichts oder nur sehr wenig sehen – und ihr Leben ganz normal leben. Aber weil die meisten anderen Menschen mit Farben arbeiten, stellt sich die Frage: Wie kann man sich Farben vorstellen, ohne dass man den Sehsinn benutzt?

Schwarze Bilder im schwarzen Buch der Farben

In dem Buch geht es um Thomas, der sich die Farben vorstellt, ohne sie sehen zu können. Mit dem, was er fühlen kann. Mit dem, was er riechen und schmecken kann. Mit dem, was er hören kann. Und das Buch zeigt das ganz gut: Die Bilder sind schwarz-glänzend, zum Nachfühlen und zum Anschauen. Und wenn man ganz genau nachfühlt oder genau hinschaut, findet man auf den Seiten auch kleine Punkte. Diese Punkte, lernen wir später, sind Teil der Braille-Schrift, die Blinde lesen können.

Farben umschreiben

Als Übung gleich am Anfang haben sich die Kinder selbst überlegt, wie sie sich die Farben vorstellen würden. Hier zwei Beispiele:

Wie kann man verschiedene Farben beschreiben, ohne den Sehsinn zu benutzen?

Die Farbe Rot riecht wie eine Rose, schmeckt wie ein Erdbeereis, hört sich an wie Herzpochen und fühlt sich an wie Liebe.

– Jolie
Rund? Orange? Glänzend? Macht mal die Augen zu, wie kann man die Orange noch beschreiben?

Gelb riecht wie Zitrone, schmeckt wie ein Banane, hört sich an wie ein Zitronenfalter und fühlt sich an wie die Sonne.

– Kira

Wir lernen Braille

Schulleiterin Theobald erklärt Bürgermeister Peter Lenehrt die Bogenmaschine.

Braille wurde 1829 veröffentlicht und wird heute weltweit (mit Abwandlungen für verschiedene Schriftsysteme) verwendet. Wir durften selbst an die Schreibmaschine und konnten sehen, wie man damit schreibt.

Mit der Punktschriftmaschine schreiben wir unsere Namen in Blindenschrift.

Dann ging es an die Übung! Jeder sollte wenigstens seinen Namen in Braille schreiben können. Ein Buchstabe nach dem anderen… und schon fertig.

Auch der Bürgermeister lernt die Punktschrift kennen.

Bei der „Punktschriftmaschine“ wurde es interessant. Auf einer Schreibmaschinen- oder Computertastatur findet man alle Buchstaben nebeneinander aufgereiht, aber hier findet man nur neun Tasten:

  • Eine Taste für jeden der 6 möglichen Punkte
  • Eine Leertaste in der Mitte
  • Eine Eingabetaste ganz links
  • Eine Rücktaste ganz rechts
  • Zusätzlich: Wagenrücklauf, für den Zeilenumbruch
Wir lernen, wie man mit einer Punktschriftmaschine schreibt.

Ihr möchtet auch Braille lernen? Hier ist eine Tabelle zur Einführung. Versucht doch mal, euren Namen zu schreiben!

Buchstabe Braille Buchstabe Braille
a n
b o
c p
d q
e r
f s
g t
h u
i v
j w
k x
l y
m z
Gar nicht so einfach – stellt auch der Bürgermeister fest.

Weihnachtskarten für die Sinne

An dieser Stelle hätten wir euch gerne unseren tolle Weihnachtskarten gezeigt, aber wir waren so begeistert vom Thema, dass wir einfach nicht weggekommen sind. Unser Plan war eigentlich, ein weihnachtliches Fühlerlebnis, ähnlich wie im Buch, auf Weihnachtskarten zu bringen. Dazu hätten wir Muster auf die Fotokartonkarten geprägt.

Karten für Sehende und Seheingeschränkte basteln? Mit einer Prägemaschine lassen sich fühlbare Muster in Papier eindrücken.

Auch ohne Prägemaschine und Prägemuster besteht die Möglichkeit, selbstgestaltete Muster zu prägen. Als Untergrund nimmt man sich eine mittelweiche Oberfläche, wie Umzugskarton oder Gummimatten. Darauf legt man das Papier oder den Fotokarton. Es gibt zwei Optionen:

  • Drückt Stellen gezielt ein. Dazu können z. B. Buchstaben aus Papier herausgeschnitten werden und durch das Loch im Papier „malt“/drückt man mit einem stumpfen Stift oder dem Ende eines Pinsels. Tipp: Masking-Tape zum Befestigen des Papiers an die zu prägende Unterlage.
  • Dünne, aber feste Objekte auf die Karte legen, z. B. Halsketten, dünne Holzteile, festere Schnur. Anschließend eine Platte darüber legen. Schließlich mit einem Nudelholz über die Platte walzen.

Wer für Seheingeschränkte Karten prägen will, sollte auf klar definierte Linien und eindeutige Muster achten, zu viele Details lassen sich schwerer ertasten.

Ein Beispiel für die Prägekarten, mit Schneeflocken als ertastbares Muster

Interview mit Frau Theobald

Wir waren alle total neugierig und hatten viele Fragen. Frau Theobald der Louis-Braille-Schule Lebach hat unsere Fragen unermüdlich beantwortet – einmal nach dem Buch und einmal am Ende der Gruppenstunden.

Bürgermeister Peter Lehnert hört sich interessiert das Interview an.

Teil 1

Lese- und Schreibwerkstatt: Wie sind der denn auf die Idee gekommen, [Braille-Schrift] zu produzieren?
Frau Theobald: Der Louis Braille? Der hat als Kind gesehen und hat sich dann in der Werkstatt seiner Eltern am Auge verletzt. Das hat sich entzündet und dann wurde er auf beiden Augen blind. Aber er wollte immer Lesen lernen, er hat sich immer gedacht, das ist so toll und ich will nicht immer vorgelesen bekommen, sondern will selbst lesen lernen. Da war er auch in Frankreich auf besonderen Schulen, auch in Paris, und dann hat er herausgefunden, dass zu der Zeit die Soldaten sich oft Nachrichten geschickt haben, die man ertasten musste, so wie man das auch mit dem Morsen macht. Daraus hat er dann experimentiert und hat herausgefunden, dass man damit alle Buchstaben darstellen kann. So hat er die Schrift erfunden.
LSW: Ist das wahr?
Fr. Theobald: Das ist wahr. Das ist wirklich so passiert.

LSW: Aber in der Schule gibt es ja Tafeln, und wenn man da was malt, dann sehen die das nicht.
Fr. Theobald: Genau, deswegen haben wir zwar auch Tafeln in der Schule, aber die benutzen wir für den Unterricht mit den Blinden gar nicht. Die bekommen von uns dann wirklich Papier, wie ihr es in dem Buch gesehen habt, wo alles draufsteht. Und es gibt auch […] so wie in dem Buch, wo man die Erdbeeren fühlen kann, gibt’s bei uns auch besonderes Papier, dass man Bilder und Zeichnungen fühlen kann. Da brauchen wir das nicht auf die Tafel zu malen, sondern haben das immer auf Papier auf dem Tisch.

LSW: Habt ihr eigentlich auch die gleichen Fächer wie wir in der Schule?
Fr. Theobald: Ja.
LSW: Und wie macht ihr denn da Mathe?
Fr. Theobald: Mathe ist ganz, ganz kompliziert. Aber das normale Rechnen, was ihr kennt, 3+4 oder 7×8, das kann man auch mit dieser Braille-Schrift schreiben. Aber dann gibt es, wenn man anfangen muss zu zeichnen, wenn man Quadrate, Rechtecke und Kreise zeichnet, da gibt es ganz besondere Folien. Da wird das nicht draufgemalt, mit dem Stift, sondern reingedrückt mit einer Nadel, sodass man auch den Kreis fühlen kann.

LSW: Wie macht ihr denn dann Sport?
Fr. Theobald: Wir haben für Sport eine ganz besondere Halle. Der Boden fühlt sich unter den Füßen unterschiedlich an, sodass die Kinder, wenn sie rennen, merken wann jetzt gleich die Wand kommt. Die Wände sind auch gepolstert und es gibt z. B. Bälle, die haben in der Mitte ein Glöckchen. wenn ich dir einen Ball zuwerfe, siehst du ihn kommen und siehst ihn fangen und wenn ich so ein Glöckchenball einen Blinden zuwerfe, dann hört er ihn kommen und kann ihn fangen. Die lernen also, einen Ball nach Gehör zu fangen und zu werfen.

LSW: Wie macht ihr denn Arbeitsblätter?
Fr. Theobald: Die Kinder machen die Arbeitsblätter selbst, auf der Maschine. Das zeige ich euch gleich, wie das geht, und das dürft ihr dann auch gerne ausprobieren. Und wir Lehrer haben einen Computer und einen ganz besonderen Drucker, der uns das dann in Punktschrift ausdruckt.

LSW: Wie schreibt man eigentlich Zahlen?
Fr. Theobald: Die Zahlen sind die Buchtaben von A bis J und da ist ein besonderes Zeichen vornedran, dass man weiß, wenn dieses Zeichen kommt, dann ist das jetzt kein A, sondern die 1.

LSW: Warum schreibt ihr dann nicht mit den Löchern in unserer Schrift? Wenn die das dann fühlen, merken die das doch auch?
Fr. Theobald: Das ist ganz, ganz, ganz schwierig, weil es ja immer Buchstaben gibt- Erstens schreiben wir ja mit großen Buchstaben und mit kleinen Buchstaben, sodass wir ja nicht 26, sondern 52 Buchstaben lernen müssten. Und dann fühlt man den Unterschied zwischen einem kleinem A und einem kleinen O nicht so schnell und nicht so deutlich. Das ist sich sehr ähnlich. Oder ein kleines B und ein kleines D, die sind sich sehr ähnlich und das kann man ganz schwierig fühlen. Deshalb.

LSW: Habt ihr Schreibschrift?
Fr. Theobald: Nein. 🙂 Es gibt nur die Maschinenschrift, die schreiben auch nicht von Hand.

LSW: Habt ihr Groß- und Kleinschreibung?
Fr. Theobald: Die Kinder lernen am Anfang Groß- und Kleinschreibung, um zu lernen, dass man Namenwörter groß schreibt, ja, da gibt es ein bestimmtes Zeichen für, aber das nimmt ganz viel Platz weg, sodass sie mit der Zeit anfangen nur noch klein zu schreiben.

Christine: Wie lange dauert es denn, bis sie für Buchstaben alles soweit können?
Fr. Theobald: Zwei, zweieinhalb Schuljahre dauert es schon. Deshalb gehen die Kinder auch nicht 4 Jahre bei uns in die Grundschule, sondern 5. […]

Christine: Und wie groß sind die Klassen so?
Fr. Theobald: Bei uns die kleinste Klasse, das sind nur 5 Kinder und in der großen Klassen sind 8 Kinder. Aber auch nicht nur Bilnde immer zusammen, sondern das Blinde und Kinder, die schwierig sehen, größere Schrift brauchen oder ganz besondere andere Geräte brauchen.

„Ich schenk dir eine Geschichte“ als Großdruck

Christine: Und die kommen ja aus dem ganzen Saarland. Das ist wirklich im Saarland die einzige Schule dieser Art, die dann in Lebach ist. Das heißt, für manche ist der Schulweg mit Sicherheit auch ein langer immer, oder?
Fr. Theobald: Ja, wir haben Kinder, die sind eine ganze Stunde mit dem Bus… Also, wir haben Schulbusse, die die Kinder abholen gehen und wieder nach Hause bringen, aber manche sind schon bis zu einer Stunde, morgens und mittags wieder, mit dem Bus unterwegs. Dafür bleiben die Kinder auch ganz lange, wir haben nämlich von 8 bis 15 Uhr für alle Schüler Unterricht.

LSW: Wenn die dann mit dem Bus fahren, wie können die dann z. B. die Treppen hochgehen?
Fr. Theobald: Die blinden Kinder haben einen sogenannten Blindenstock. Das ist wie ein verlängerter Arm, die haben einen Stock in der Hand, den sie vor sich hin- und herbewegen, über den Boden. Und damit spüren sie dann in der Hand und dem Arm, was jetzt kommt. Und dann spüren sie auch, wann eine Treppenstufe kommt, wann sie jetzt das Bein hochmachen müssen, weil die Stufe kommt.

Christine: Wer war denn schonmal am Bahnhof, was gibt es denn da?
Max: Da gibt es immer so Rillen am Bahnsteig und wenn da Rillen kommen, da gibt ein Knubbel am Blindenstock, der dreht sich und da sind so Fugen und Hubbel. Wenn da Hubbel kommen, weiß er, er muss stehen bleiben. Und wenn da Striche kommen, macht er den Stab da rein und geht die Striche entlang. Aber wenn da mal keine Striche sind und da einfach der Abgrund ist, ist der Stab auch ganz wichtig, der Stab sinkt da ja ein. […] Und, das ist bei uns an der Schule auch so, da sind diese weißen Streifen für Blinde, dass auch Blinde, die Erwachsene sind, auch da gehen können. Und wenn man dann keinen Stock hat bei einem Bahnhof und da weitergehen würde, dann würde man bei die Schienen fallen und das wäre sehr gefährlich.
Christine: Das hast du sehr gut erklärt. Die Bushaltestellen werden gerade alle so erneuert. Wo merkt ihr es denn gerade im Straßenverkehr noch, dass es für Blinde auch eine Besonderheit gibt?
LSW: Bei der Ampel. Oder am Zebrastreifen.
Christine: Und viele Ampeln haben ja auch dieses Geräusch.

LSW: Es gibt ja auch Blindenhunde. Wie können die denn den Blinden das zeigen?
Fr. Theobald: Die bleiben dann einfach stehen. Der Hund, der sieht den Weg, der sicher ist und geht den Weg, der sicher ist. Der Mensch hat den ja ganz knapp an der Hand. Und wenn irgendwas gefährlich wird, bleibt der Hund einfach stehen und wenn der Hund stehen bleibt, heißt das für den Menschen, der mit dem Hund läuft auch, bleib jetzt stehen, es wird gefährlich.

Christine: Wisst ihr, was ihr zu Hause machen könnt? Fragt mal eure Eltern, ob ihr an den Arzneimittelschrank dürft und holt euch mal eine Arzneimittelverpackung. Und da werdet ihr irgendwo auch diese kleinen Pünktchen spüren.
LSW: Kann ein Blinder eigentlich auch Fahrrad fahren?
Fr. Theobald: Ja. Geht auch. Ist zwar selten, gibt’s aber auch.

LSW: Welche Abschlüsse kann man den machen?
Fr. Theobald: […] Bei uns direkt an der Schule nur den Hauptschulabschluss.
LSW: Und dann?
Fr. Theobald: Wenn die Kinder dann in die anderen Schulen möchten… Also, das gibt es ja auch, wir betreuen Kinder in normalen Schulen, dann müssen sie entweder nach Neuwied oder Ilvesheim für die mittlere Reife oder nach Marburg fürs Abitur. Die sind dann im Internat.
LSW: Haben schon welche gemacht?
Fr. Theobald: Ja.

LSW: Wie unterscheidet ein Blinder Euros und Cents?
Fr. Theobald: Alle Münzen haben am Rand unterschiedliche Rillen. Beim Euro ist es z. B so, da sind ganz viele feine Rillen drin, durchgehend. […] Beim 20-Cent-Stück sind tiefere Einkerbungen und sonst ist es glatt, beim 2-Euro-Stück ist immer ein Stückchen glatt, ein Stückchen gerillt, ein Stückchen glatt… Und daran fühlen die das.
LSW: Und wie unterscheiden die Scheine?
Fr. Theobald: Da ist mit Blindenschrift drauf, da ist die Zahl. (Kein Braille, nur versch. Muster – Reliefschrift, Rippelungen – A.d.R.) Und an der Größe des Scheins, die sind unterschiedlich groß. […] Es gibt auch Geräte, so kleine Kästchen, da kann man das Stück reinschieben und wenn’s passt, sehen sie’s.

LSW: Wie gehen die einkaufen?
Fr. Theobald: Wie wir auch. Da gibt es auch ganz bestimmte Geräte. Wenn man im Lebensmittelmarkt kaufen möchte und keine Blindenschrift drauf ist, gibt es für Erwachsene Vorlesegeräte zu kaufen. Das ist so ein kleines elektronisches Gerät, das kann der blinde Mensch vor die Konservendose halte und das liest dann vor, was da draufsteht.

LSW: Kann man das Buch da als Blinder gut lesen? Ist es gut produziert?
Fr. Theobald: Ja. Das geht schon. Ja.
LSW: Und auch die Bilder?
Fr. Theobald: Die Bilder… Eigentlich ist da für blinde Menschen zu viel Information drauf. Man macht da meistens nur die Umrisse. Das Innere der Erdbeere, hier, zu ertasten ist schon zu schwierig. […] Das Wichtige, das Ausschlaggebebende, ist die Form der Erdbeere und die zackigen Blätter, das wäre das Einzige, was man einem Blinden zum Tasten geben würde.

LSW: Können Kinder ganz normale Romane lesen?
Fr. Theobald: Ja. In so Büchern, wie ich sie euch gezeigt habe. Diese Bücher kann man auch kaufen. Es gibt in Deutschland eine Bibliothek, die nur Blindenbücher hat. Und wenn man ein blinder Mensch ist, dann darf man sich da auch umsonst Bücher ausleihen. Die werden auch umsonst mit der Post geschickt und wenn man fertig ist, schickt man sie wieder zurück. Und das ganz Lustige ist, wir haben in der Schule ja auch Kinder, die blind sind, wir machen da auch Sachen, die ihr mit Sicherheit auch macht, so Schullandheimaufenthalt oder Klassenfahrten und das ist dann ganz besonders lustig, weil die Blinden dann abends unter der Bettdecke heimlich lesen. Die brauchen ja noch nicht einmal Taschenlampen anzumachen. Das heißt, wir kriegen das gar nicht mit, wenn die abends noch spät in ihrem Buch lesen.
LSW: Da bin ich neidisch.

So sieht ein Buch in Braille aus.

Christine: Wie ist das eigentlich, im Buch ging es ja auch darum, Farben zu umschreiben, sind die neugierig darauf, Farben umschrieben zu kriegen?
Fr. Theobald: Doch, das ist ja im normalen Sprachgebrauch drin. Jeder von uns nutzt ja Farben als Beschreibung. Deshalb ist es so, dass blinde Menschen, blinde Kinder, auch wenn sie von Geburt an blind sind, schon mit Farben konfrontiert sind. Die verbinden das dann ähnlich wie in dem Buch mit ganz besonderen Sachen. Grün wie das Gras oder oft ist es gelb wie die Sonne. Es gibt ja auch viele, die noch ein bisschen Restsehen haben und Farben schon noch erkennen. Nicht nur hell/dunkel, sonder auch ein bisschen Farben. Von daher ist das genauso wichtig. Und: Unsere Schüler sagen auch: „Ich gucke fernsehen.“ Oder: „Ich gucke meine Hausaufgaben nach.“ Das ist für die ganz normal. Die hören Fernsehen, aber sie sagen halt, dass sie gucken. […] Genau, sie könnten auch CDs hören.

Teil 2

LSW: Benutzt man Braille überall auf der Welt?
Fr. Theobald: Ja. Also, jeder Buchstabe hat sein Zeichen, das ist in jeder Schrift so, aber bei uns hat man sich gefragt, ob sie das „au“ immer als A und U schreiben. Es gibt bestimmte Buchstabenkombinationen, die wir Abkürzen, also das „au“, das „ei“, das lange „ie“, das „sch“. Und das ist bei uns natürlich anders als in England, wo zum Beispiel das „th“ so eine besondere Verbindung ist, die gekürzt wird.
Christine: Aber die Chinesen haben ja ein ganz anderes Zeichensystem.
Fr. Theobald: Da bin ich überfragt. Aber ich kann mir vorstellen, dass es mit Eurobraille oder ähnlichem dann besser geht.

LSW: Habt ihr Arbeitsblätter, wo die Hausaufgaben stehen?
Fr. Theobald: Wir sagen ihnen, was Hausaufgabe ist und dann schreiben sie das mit ihrer Maschine selbst auf. Die lernen sich auch ganz viel zu merken. Die hören ja viel besser und können sich Sachen, die sie hören, viel besser merken als wir, sodass wir auch ganz oft einfach diktieren und erzählen und sie schreiben mit.

LSW: Wie lange gibt es schon die Schrift?
Fr. Theobald: Seit 1825, seit Louis Braille sie erfunden hat. Seit ca. 200 Jahren.

Ein Astrid-Lindgren-Braille-Kalender mit Reliefbild

Christine: Während wir noch reden, gebe ich euch das noch herum: ein Astrid-Lindgren-Kalender. Einmal ist da die Blindenschrift, untendrunter ist aber auch normal geschrieben. Das A könnt ihr da ganz gut sehen, mit dem einen Punkt in der Ecke; und die Bilder, die sind dann auch geprägt. Da könnt ihr mal drüberfahren und nachspüren. Und im Kalender unten sind dann auch die Zahlen alle nochmal in der Blindenschrift geprägt. Und hier ist noch eine [Zeitschrift].
Fr. Theobald: Da ist sogar mit der Punktschrift, mit der Braille-Schrift, ein Bild gemalt. Wir haben auch Kinder, die beherrschen die Maschine so genial, die können Tannenbäume, Geschenke, Schmetterlinge quasi malen.

So sieht eine Zeitschrift in Braille aus.

Christine: […] Was man manchmal immer wieder in der Presse liest, […] dass es in Deutschland immer noch viele Orte gibt, wo es schwierig für Menschen mit Behinderung ist, egal welcher Art, Rollstuhlfahrer, Blinde, sich im Alltag zurechtzufinden. Zum Beispiel am Bahnhof, wenn da ein Fahrstuhl kaputt ist, dann ist es so, dass es für einen Rollstuhlfahrer kaum mehr möglich ist, mit dem Zug irgendwo hinzukommen. Wenn Umbaumaßnahmen sind und dieser Streifen funktioniert für Blinde nicht, um zu sehen, da muss ich stoppen, das ist auch eine ganz, ganz gefährliche Situation.
Fr. Theobald: Das fängt ja schon mit dem Fahrplan am Bahnhof an. […] Da könnt ihr nöchstes Mal daran denken, wenn bei einer Verspätung keine Durchsage kommt. Aber ist keiner von euch auf die Frage gekommen, wie Blinde denn Karten spielen, oder sonst spielen? […] Kennt ihr UNO?
LSW: Ja.
Fr. Theobald: Bei UNO fühlt man an den Karten nichts, oder an normalen Kartenspielen. Aber man kann tricksen. Man kann das so machen, dass da auch Blinde mitspielen können. Da könnt ihr mal fühlen. […] Da haben wir nämlich die Karten in die Maschine gespannt und haben für die Blinden die Zahlen und die Farben hingeschrieben.
LSW: Und wie macht man das mit den Zeichen?
Fr. Theobald: Das ist etwas, was wir uns ausgedacht haben. Die Pfeile sind ja auch nur ein Symbol dafür, dass man die Richtung wechselt. Man muss nur erklären, was es bedeutet. […] Und sie können sogar Mensch-ärgere-dich-nicht spielen. Da gibt es nämlich für jede Farbe Figuren, die sich anders anfühlen, sodass ich auch immer weiß, welches meine Männchen sind. Die kann man hier reinstecken, damit sie halten. Jedes Feld hat ein Loch, damit man auch abzählen kann, wie viel ich gehe. Und der Würfel […] kann man fühlen. Gebe ich auch mal rum. […]

Mensch-ärgere-Dich-nicht! für Blinde. Würfel und verschiedene Farben lassen sich ertasten.

LSW: Sind bei den Lehrern auch blinde Lehrer dabei?
Fr. Theobald: Ja, wir haben eine blinde Kollegin. […] Sie ist erblindet Bei ihr war das jetzt super, sie war Gymnasiallehrerin, ist dann erblindet, hat dann die ganzen Fortbildungen selbst gemacht und ist jetzt dann zu uns gekommen als Lehrerin.

Christine: Wie viele Kinder sind denn von Geburt an blind oder stark sehbeeintächtigt?
Fr. Theobald: Die Anteil derer, die erst im Kinder- oder Jugendalter erblinden ist sehr gering. Das sind dann auch eher erbliche Krankheiten, dass das Sehen zurückgeht. [Da weiß man oft schon], dass es durch diesen Geneffekt oder die Krankheit schon irgendwann schlechter wird. Vieles kann dann ja auch heute operativ behoben werden…

LSW: Die müssen bei Mensch-ärgere-dich-nicht ja erstmal fühlen, bevor sie gehen.
Fr. Theobald: Ja, die fühlen das mit der Hand. Die fühlen eine 5, fühlen dann mit der Hand, 1-2-3-4-5 und dann stecken die […] das Männchen wieder rein.
Christine: Dann wäre das Schummeln ja eigentlich leichter. Da braucht man ein Ehrenkodex. 🙂
Fr. Theobald: Ach, beim Kartenspielen, da spielen die meisten Kinder ja schon offen, da sieht man, dass das eine rote 9 ist oder so. Da muss man schon immer Rücksicht nehmen und ehrlich bleiben.
LSW: Und wie spielen die Schach?
Fr. Theobald: Da kann man auch das Schachfeld, die Karos, kann man mit Kreisen und Linien ummalen, sodass man fühlen kann. […] Und die Figuren fühlen sich ja auch anders an, da muss man nichts besonderes machen. […] [Die Farben] kann man durch unterschiedliche Oberflächen machen, das eine gestreift und das andere Punkte drauf, zum Beispiel. […]

500 € für die Louis-Braille-Schule

Christine Sinnwell-Backes hält die 500 € für die Louis-Braille-Schule bereit.

Wir haben einen großen Check vorbereitet. Denn ein Teil des Erlöses vom letzten Bücherflohmarkt geht wie jedes Jahr an eine gemeinnützige Organisation im Saarland. Die Blindenschule in Lebach versucht jetzt auch eine Bücherei einzurichten – mit unserer Spende wollen wir sie unterstützen. 1.000 Bücher haben wir dafür verkauft und wir wünschen Frau Theobald und ihren Kollegen und den Schülern viel Erfolg!

500 € für die Louis-Braille-Schule in Lebach

Wir bedanken uns bei Frau Theobald! Das war für uns ein ganz besonderer Samstagvormittag. Es war ein toller Einstieg in unser „Weihnachten mit allen Sinnen“. Auch nächste Woche kommt eine Schule bei uns vorbei. Wir sind schon sehr gespannt.

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Bis zum nächsten Mal,

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{Sommerferien} Eis hoch 3

Eisbasteln, Eisessen und Eisfragen!

Da hat die letzten Wochen die Sonne geschienen – und jetzt ist der Himmel grau. Haben die Kinder trotzdem Lust auf Eis?
Jaaaaa!

Pixi-Bücher kennen die meisten. Seit über 50 Jahren sind die Geschichten im Miniformat in Deutschland unterwegs und heute sind sie überall. Bei mehr als 2000 verschiedenen Büchern ist es kein Wunder, dass für jeden etwas dabei ist. Und bei der kurzen, süßen und lustigen Geschichte konnten wir uns mit Eis- und Braunbär schön in das Thema einlesen.

Passend zum Sommerferienstart haben wir aus Eisstielen Lesezeichen gebastelt. Der ersten Sommerlektüre steht nichts mehr im Wege, denn die bunt angemalten Stiele mit süßen Eisfiguren an der Spitze sehen richtig klasse aus.

Die selbstgemachten Eishörnchen haben den Kindern dann so gefallen, dass wir sie doch nicht als Girlande in der Lese- und Schreibwerkstatt aufgehangen haben – die durften auch mitgenommen werden.

Aber was wäre ein Eisthema ohne Eisessen?

Darauf fiebern wir doch alle hin! Natürlich durfte jeder ein selbstgemachtes Eis haben. Nachdem der Basteltisch richtig aufgeräumt wurde.

Ich weiß schon, einige unserer Leser hätten jetzt auch gerne ein Eis. Wer also auch einen selbstgemachten Slushie haben möchte, kann sich hier das Rezept ausdrucken:

Wassermelonen-Slush

Ein einfaches Rezept für ein Wassermelonen-Eisgetränk

Zutaten

  • Wassermelone
  • Wasser
  • Eiswürfelform
  • Zitronenkonzentrat
  • Mixer

Anweisungen

  1. Die Wassermelone zubereiten. Aus dem Fruchtfleisch werden Würfel geschnitten.
  2. Die Melonenwürfel zusammen mit dem Wasser in der Eiswürfelform (am besten über Nacht) einfrieren lassen.
  3. Die fertigen Eiswürfel und die gefrorenen Melonenwürfel in eine Schüssel zusammenwerfen und einen Schuss Zitronenkonzentrat dazugeben.
  4. Mit dem Mixer das Ganze zu einem Eisbrei durchmixen.
Den Slush in einen Becher löffeln und einen Strohhalm reinstecken. Fertig.

Wem nach dem Eisessen dann doch zu kalt wurde (oder einfach mitmachen wollte), konnte bei unserem 1-2-oder-3 sein Wissen zum Thema Eis beweisen. Die Fragen haben wir für euch hier als Quiz zusammengestellt. Vielleicht könnt ihr ja eure Freunde oder eure Familie testen…

Wer das Lösungswort zum PDF-Quiz braucht, sollte die folgende Textstelle markieren:

ERDBEER (VANILLE und JOGHURT sind falsche Fährten)

{Mausreise zum Mond} Armstrong

Vor zwei Wochen haben wir begeistert eines unserer Lieblingsbilderbücher gelesen: Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus. Was liegt da näher als Torben Kuhlmanns neuestes Buch zu lesen und damit kreativ zu arbeiten? Armstrong beschreibt das vielleicht spannendste Kapitel der Mausheit (und Menschheit): die ersten Astronauten auf dem Mond.

Doch bevor es mit dem Abenteuer anfängt, spielen wir eine Runde Reise zum Mond, denn Astronauten müssen sich ja richtig auf ihre Mission vorbereiten. Nachdem jeder die Astronautenausbildung abgeschlossen hat, geht es los…

MOND! Schnell zugreifen.

…aber nicht irgendwie. Die Reise zum Mond dauert mindestens 3 Tage. Und weil Armstrong (trotz Kürzungen) so ein dickes Buch ist, haben wir genug Proviant mitgenommen. Aber es muss bei so einer vollen Rakete natürlich gut eingeteilt werden, also darf nur zugegriffen werden, wenn das Wort „Mond“ vorgelesen wird. (Dank einer Veranstaltung waren wir zum Glück nicht zu viele Kinder, sonst wäre es vielleicht etwas chaotisch geworden.)

Als Proviant gab es in der Samstagsmorgensgruppe Trauben und Mini-Brezeln. In der Juniorengruppe bekam jeder ein Babybel einen Vollmond und ein Brause-Bonbon Raketenpulver.

Ohne Einfallsreichtum hätten wir es nie auf den Mond geschafft. Hier konnte jeder seinen inneren Ingenieur beschwören und seine eigene Rakete fliegen lassen. Eine Rakete auf den Luftballon malen, einen Strohhalm fest draufkleben, und schauen, wer am weitesten die Schnur entlangfliegen kann.

Fallenlassen – klatsch

Doch eines ist noch wichtiger als auf den Mond zu kommen: Die Astronauten müssen auch wieder sicher und unversehrt zurück auf die Erde kommen. Die Abenteuermaus war schlau genug, um sich dafür ein System auszudenken. Mit Fallschirm und Polsterung haben wir unser Bestes gegeben und in Teams 3 Astronauten-Eier so gut wie möglich geschützt. Beim Fallenlassen haben wir erneut festgestellt, dass Raumfahrt nicht einfach sein kann. Ein Ei hat überlebt.

Mit Zaubersand haben wir schon länger nicht gearbeitet! Er eignet sich super für eine Mondlandschaft.

Aber wir sind ja nur Astronauten, und wir können darauf bauen, dass die Profis bei NASA und ESA mehr davon verstehen. Wir haben hart trainiert, und jetzt ist es soweit. Zum krönenden Abschluss basteln wir unsere eigene Flagge und setzen sie auf unsere Mondlandschaft!

In Gedenken an alle Astronauten-Eier, die für immer verloren, aber niemals vergessen sein werden
Ein kleiner Schritt für mich…
… aber ein großer Schritt für die Menschheit.

Genau wie die Maus hat jeder sein eigenes Logo auf die Fahne gemalt.

Mission erfüllt! Wer dann noch nicht genug hat, hat hier noch die Gelegenheit, sein Wissen zu beweisen – oder es aufzufrischen:

Mondquiz

Wer das Lösungswort zum PDF-Quiz braucht, sollte die folgende Textstelle markieren:

ARMSTRONG (RAUMFAHRT und MONDPHASE sind falsche Fährten)
Ex luna, scienta
Ret

{Noch einmal wird es pumpfig} Los geht die Pumpfiade und ein GIVE-AWAY gibt es auch noch!

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Letzte Woche habt ihr ja erfahren, was ein Pumpf ist und was es mit den Glückspunkten auf sich hat. Doch auch nach dieser pumpfigen Stunde ratterte es in meinem Kopf und irgendwie ließ mich dieser kleine Pumpf einfach nicht los. Deshalb haben  wir gestern noch einmal eine ganze Gruppenstunde dem Buch „Loni lacht!“ gewidmet und eine Pumpfiade veranstaltet: dabei gab es sieben Stationen, die die Kinder in kleinen Gruppen durchlaufen mussten. Natürlich gab es dabei auch eine pumpfige Laufkarte.

Nach jeder Station durften die Kinder einen Fingerabdruck auf den Bauch ihres Pumpfes setzen und so füllten sich die Glückspunkte fast von alleine auf.

An dieser Stelle habe ich auch eine süße Geschenkidee für kleine Kreative: „Finger-Stempeln für kleine Künstler“ erschienen im Bassermann-Verlag. (Werbetrommel an: Dem Verlag, bei dem auch mein Pancakes-Buch erschienen ist und das ihr außer im Buchhandel natürlich auch gerne signiert bei mir bestellen könnt! Werbetrommel Ende)

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GIVE-AWAY

Das Fingerstempel-Buch oder ein für euch persönlich signiertes Pumpfbuch könnt ihr jeweils einmal gewinnen, wenn ihr mir in einem Kommentar verratet, was euch glücklich macht! Also: hinterlasst uns einen glücklichen Kommentar (das macht uns Blogger auch immer ganz glücklich) und schon seid ihr im Lostopf!

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Doch nun zurück zu den sieben pumpfigen Stationen:

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An Station 1 gab es fertig gebackte Muffins, die noch pumpfig dekoriert werden mussten.

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Station 2 war unsere Experimentierstation. Hier mussten die Kinder erforschen, warum Will der Wasserläufer wohl Angst davor hatte ins Wasser zu gehen und wir machten ein Experiment um zu zeigen, wie die Oberflächenspannung von Wasser funktioniert. Hier haben wir die Experimentieranleitung für euch. warum-willi-angst-vorm-wasser-hat

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„Blinder Pumpf“ spielten wir an Station 3: hier hatte ich vorher einen Pumpf aquarelliert und mit Klettverschluss-Punkten versehen. Die Idee hatte Steffi als sie das Buch mit unserer Juniorgruppe gelesen hatte. Auf die Glückspunkte kommen ebenfalls Klettverschluss-Punkte (die Gegenstücke). Nun bekamen die Kinder die Augen verbunden und mussten die Glückspunkte an Lonis Bauch befestigen.

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„Glückspunktfänger“ lautete der Name der vierten Station: hier warteten lauter Smarties/Glückspunkte darauf von den Kindern mit Strohhälmen angesaugt zu werden. Gewonnen hatte, wer die meisten Smarties erbeutete.

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Kreativ wurde es an der fünften Station: hier ging es um „Lonis Glückspunktsammlung“. Jede Gruppe malte einen Loni und überlegte sich, was glücklich macht. Das wurde auf Punkte geschrieben, die dann auf Lonis Bauch geklebt wurden.

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Die sechste Station war eine Luftballonstation. Die Gruppe setzte sich auf den Boden und musste nur mit den Füßen einen Luftballon (Glückspunkt) einmal durch alle Teammitglieder weitergeben.

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Station 7 war eine Glückspunkte-Party mit jeder Menge Luftballontanz (das waren die Glückspunkte) und natürlich passender Musik (Happy). Da mussten unsere Leseratten im Duett die Luftballons abwechselnd zwischen Bauch, Beinen, Po (das klingt ja fast wie ein Pilates-Kurs) klemmen und dabei wild tanzen.

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Dazwischen wurden natürlich noch die Pumpfmuffins gegessen und ein gemeinsames Pumpfbild entstand auch noch mit den Fingerstempeln.

Und jetzt zeige ich euch mal noch, wie beliebt der Pumpf auch bei uns daheim ist. Mein dreijähriger Sohn ist total begeistert und ich muss nur noch Pumpfe vormalen, die er dann ausmalen kann. Und einen haben wir dann auch mit Klebepunkten versehen, die dann jeden Abend dran geklebt werden und dabei zählen wir auf, was uns heute alles glücklich gemacht hat.

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Pumpfige Grüße

Christine

Give-Away: Um bei unserem Give-Away mitzumachen, müsst ihr bis zum 05.02.2017 einen Kommentar unter diesem Blogpost hinterlassen. Unter allen Kommentaren losen wir dann je einen Gewinner aus. Wir versenden nur nach Deutschland.

Unsere Gewinner stehen fest! Das Pumpfbuch geht an Renate und das Fingerstempelbuch hat Jennifer gewonnen.

Renate: bitte schick uns deine Adresse und sag uns, ob es für dich selbst oder jemand anderen signiert werden soll.

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{Lindbergh} Von fliegenden Mäusen und Strohhalm-Bruchlandungen zwischen den Buchregalen

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Als ich in der vergangenen Woche mit den Leseratten samstags „Die Reise“ gelesen habe, wusste ich noch gar nicht, wohin mich die Reise in den nächsten Wochen führen würde. Schon beim Vorlesen entstand ja die Idee mit den Kindern in der nächsten Gruppenstunde ein wenig zu forschen und zu experiementieren wie wir uns denn fortbewegen könnten.

Und natürlich sollte auch in dieser Gruppenstunde ein Buch im Mittelpunkt stehen. Mein wunderbar genialer Bibliothekar aus Leidenschaft Ret Samys hatte dann direkt nach „Lindbergh“ gegriffen und so tauchte ich zuhause ab in die wahrlich abenteuerliche Welt der kleinen, erfindungsreichen Maus. Beim Lesen und Betrachten der Zeichnungen war ich vollkommen fasziniert und wusste gleich, dass dies der perfekte Anschluss an „Die Reise“ für uns darstellt.

In „Lindbergh“ steht eine kleine Maus mit einer großen Idee im Mittelpunkt. Nichts geringeres als eine Flugmaschine möchte der kleine Nager bauen um damit nach Amerika zu fliegen. Und so macht sich der belesene Nager ans Erfinden und Experimentieren und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Was das Buch so besonders macht, sind die wirklich außergewöhnlich schönen Zeichnungen von Torben Kuhlmann, der mit diesem Buch seine Abschlussarbeit geschrieben hat und für „Lindbergh“ zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat.

Und es vereint gleichzeitig die großen Träume der Menschen in sich: fliegen können, frei sein und natürlich auch der Aufbruch in eine neue Welt.

In den Zeichnungen finden sich so viele Details eingemalt, das Buch ist von der ersten bis zur letzen Seite unendlich liebevoll gemalt. Alleine die Idee, dass die Maus ihre Skizzen mit einem verkohlten Streichholz zeichnet: herrlich!

Und genau so experimentierfreudig wie die kleine Maus waren auch unsere Leseratten. Nachdem ich zu Beginn der Gruppenstunde erzählt habe, wie die Menschen sich anfangs nur zu Fuß fortbewegen konnten und dann immer mehr Erfindungen getätigt hatten, um später Wagen, Schiffe und schließlich Flugzeuge zu nutzen, war die Neugier der Kinder geweckt, als ich erzählte, dass ich heute ein Buch dabei habe, in dem es um eine kleine Maus mit einem großen Entdeckertraum geht.

Was so eine Maus wohl gerne erfinden würde? Das wäre sicherlich auch spannend zu erfahren und würde bestimmt zu der ein oder anderen spannenden Geschichte führen.

Doch wie auch die Maus und später Lindbergh wollten wir im Anschluss an das Buch auch in die Luft gehen. Dazu haben wir verschiedene Experimente vorbereitet. Die Kinder konnten zum Beispiel einen Strohhalm dessen Öffnung vorne verstopft wurde mit einer Pumpe durch den Raum schießen. Wie das funktioniert? Mit Druck natürlich, denn anders als Kuhlmanns Maus hatten wir natürlich keinen Dampfapparat.

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Und was passiert, wenn wir einen aufgefalteten Teebeutel anzünden? Durch den sogenannten Kamineffekt fliegen die Funken hoch in die Luft und wir sehen, dass heiße Luft aufsteigt was zum Beispiel wichtig für Heißluftballons ist.

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Dann ging es ans Bauen von Strohhalmgleitern. Hier konnten die Kinder sich Fluggleiter bauen und überlegen, ob sie eher dicke oder dünne Halme benutzen sollten, ob die Papierstreifen besser schmal oder breiter geschnitten werden damit der Gleiter möglichst weit fliegt.

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Am Ende testeten wir die Fluggeräte natürlich auch um zu sehen, wer an diesem Tag wohl dem Traum vom Fliegen am Nächsten gekommen war. Das Wettfliegen machte allen so großen Spaß, dass wir Runde um Runde ausprobierten.

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Vielleicht bauen wir beim nächsten Mal auch noch Papierflugzeuge und testen diese dann auf ihre Weitflug- und Piouretten-Eigenschaften.

Den Abschluss unserer Gruppenstunde machte dann die Erfinder-App von Pettersson und Findus bei der die Kinder herrlich skurile Erfindungen zum Funktionieren bringen mussten.

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Und dann gibt es doch auch schon das nächste Buch von Kuhlmann „Armstrong“, das es nun bald zu entdecken gibt. Was habe ich dafür schon Ideen im Kopf. Angenfangen von einer Ballonrakete über… ach nein. Pssst! Ich darf doch nicht schon alles verraten.

Doch halt: eines muss ich euch ja noch verraten und das passt natürlich auch noch perfekt zu „Armstrong“ – das Spiel „Reise zum Mond“. Dieses Spiel eignet sich sehr gut um in einer Gruppe gespielt zu werden.

Der Spielleiter gibt den Satz „Ich reise zum Mond und nehme … mit“. Diesen Satz muss jedes Mitglieder der Gruppe nach und nach wiederholen und dabei einsetzen was es zum Mond mitnehmen würde. Aber Halt! So einfach ist das Spiel eben nicht, denn der Spielleiter hat sich eine Bedingung ausgedacht, die erfüllt sein muss damit man mit zum Mond genommen wird und natürlich weiß diese Bedingung zu Anfang nur er selbst.

Zum Beispiel könnte er nur rote Sachen akzeptieren oder nur Worte, die mit S anfangen.

Die Gruppe muss nach und nach dahinter kommen, was das System ist um mitgenommen zu werden. Bei jedem Satz antwortet der Spielleiter entweder mit:

Ja, du darfst mit zum Mond oder eben mit Nein. Du darfst nicht mitfliegen.

Meine Leseratten lieben das Spiel und zerbrechen sich sehr gerne die Köpfe darüber, was bei der jeweiligen Reise zum Mond wohl mitgenommen werden darf.

Und ich reise nun zwar nicht zum Mond, schicke aber meine kleinen Kinder gleich ins Reich der Träume. Davor lesen wir natürlich vor!

Zurück bleibt eine glücklich grinsende Oberleseratte, die den Kopf voller Ideen und das Herz voller Glücksgefühle wegen eines solch wunderbaren Bucheswie „Lindbergh“ hat.

Leselustige Grüße

Christine