Der Junge aus der letzten Reihe (von Onjali Q. Raúf)

Lesecafé ist in unserer Gruppe der älteren Leseratten ein monatliches Treffen, bei dem wir uns (mit Tee & kleinen Naschereien) gegenseitig erzählen, was wir in letzter Zeit gelesen haben. In diesem Jahr haben wir damit angefangen, das Lesecafé über Videokonferenz aufzubauen. Hier ist nun ein Auszug aus einem der Lesecafé-Treffen!

Elisa hat ein Buch gelesen und erzehlt uns davon:

Es geht um ein Flüchtlingskind, das kommt in die Klasse und setzt sich in die letzte Reihe – deswegen auch der Name. Das Mädchen, das das Buch erzählt, will unbedingt sein Freund sein. Die Mama erklärt ihr zwischendurch, was ein Flüchtlingskind ist. Ahmet kommt aus Syrien und hat jemand bei sich, die für ihn alles übersetzt. Irgendwann erzählt er dann auch seine Geschichte, wie sie geflohen sind, beim Krieg, und zeichnet Bilder dazu. Allerdings hat man bei jedem Bild einen weniger gesehen. Am Anfang waren es „ich, Papa, Mama, Schwester und Katze“, auf dem 2. Bild war die Katze weg, auf dem nächsten war die Schwester weg, auf dem anderen war die Mama weg, danach kam kein Bild mehr.

Es kommt heraus, dass auch der Papa weg ist und die Katze verlorengegangen ist, als sie über Berge gewandert sind, die Schwester ist ertrunken, als sie auf einem Boot über das Meer gefahren sind. Und die Mama und der Papa sind irgendwo zurückgeblieben.
Jetzt will das Mädchen die Eltern wiederfinden.

Christine ergänzt:

Der Junge findet in der Klasse tatsächlich ein paar, die es gut mit ihm meinen, die sich mit ihm anfreunden, aber es ist auch umgekehrt: Er findet auch welche, gerade einen, der richtig fies ist. Man hört dann durch die Kinder auch so die Parolen und die Einstellungen der Eltern durchschimmern. Gerade wenn’s um Flüchtlinge geht, „Flüchtlingspack“ und wie man das ganze titulieren kann und so.

Elisa hat gerade die Stelle gemacht, an der habe ich fast geheult, wie ich das gelesen habe, mit der Schwester, die irgendwann weg ist. Die Kinder fassen aber einen großen Plan, die haben nämlich überlegt, wenn sie der Queen einen Brief schreiben und die Queen kriegt diesen Brief, die kann sich doch dafür einsetzen, dass der Papa, dass die Mama, dass irgendjemand vielleicht gefunden wird. Dann gibt’s auch eine Szene, wo sie versuchen, mit der Königin Kontakt aufzunehmen.

Es ist also ein Buch, dass richtig tiefgehend ist. Vergisst man nicht so schnell. Es ist ein Kinderbuch, ich finde auch, es ist so richtig gut für Kinder geschrieben. Die Autorin, die das geschrieben hat, die hat auch ganz lange an solchen Flüchtlingssachen gearbeitet, die hat mit ganz vielen gelebt. Die kennt sich also richtig aus, die hat ganz viel mitbekommen und mit ganz vielen Organisationen gesprochen.
Also wirklich, wirklich wirklich gutes Buch.

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